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UNABHÄNGIGKEIT UND FREIHEIT

Märchen sprechen die Sprache der Seele

Ein Portrait über Clarissa Horak – Theologin und Geschichtenerzählerin

Märchen bedienen sich archetypischer Bilder, die unsere innere Weisheit ansprechen. Fabelwesen repräsentieren dabei unterschiedliche Seelenaspekte. Die Wienerin Clarissa Horak hat ihnen auf den Zahn gefühlt und herausgefunden, dass Märchen keineswegs nur grausam sind.

C.G. Jung zufolge sprechen Märchen das kollektive Unbewusste an. Man könnte auch sagen, sie erreichen archetypische Urprinzipien in uns. Träume, Mythen und Märchen sind eng verwandt und kommunizieren in einfachen Bildern und Sequenzen, die jedem leicht verständlich sind, unabhängig von Alter oder Bildung. Damit sprechen Märchen sozusagen die Sprache der Seele. Sie transportieren mehr Weisheit, als auf den ersten Blick vermutet und schärfen die Intuition. Leider sind sie ziemlich aus der Mode gekommen und haben zudem mit einem schlechten Image zu kämpfen. Sie werden oft als grausam abgetan.

Clarissa Horaks Anliegen ist es, den Menschen die Welt der Märchen wieder zugänglich zu machen. Sie ist der Ansicht, dass Märchen, gerade weil sie unsere innere Wahrnehmung schärfen einen gesunden Gegenpol zum um sich greifenden Kollektivismus darstellen.

Die Heldenreise

Der amerikanische Mythenforscher Joseph Campbell besuchte zahlreiche Naturvölker und fand dabei heraus, dass sie sich alle gegenseitig Geschichten erzählten, um voneinander zu lernen. Campbell bemerkte weiters, dass Aufbau und Quintessenz der Geschichten unabhängig von Kultur und Region nahezu deckungsgleich waren. Der Held wurde in Lebensumstände geboren, die ihn nötigten, seinen eigenen Weg zu finden und sich somit auf die „Heldenreise“, also die Reise zu sich selbst zu begeben. Diesen Erzählstrang finden wir auch in unseren Sagen, Märchen und Mythen wieder. Von Frau Holle über Hans im Glück bis zum Fischer und seiner Frau.

Clarissas Heldenreise

Clarissa Horak wuchs mit einer streng katholischen Mutter, ihren drei Geschwistern und dem Vater, Jurist am OGH, im Wien der sechziger Jahre auf. Die elterlichen Weltbilder konnten unterschiedlicher kaum sein. Die Mutter, sehr feinsinnig, geradezu hellsichtig, sah das Göttliche in Mensch und Natur und ermunterte die Kinder beispielsweise, an sonnigen Tagen doch lieber im Wald zu spielen, als die Schulbank zu drücken.

Clarissas Vater hingegen vertrat die Ansicht, dass der Mensch von Grund auf schlecht sei und die Rechtssprechung daher unabdingar, um die Menschheit vor sich selbst zu schützen, andernfalls die Welt in Anarchie und Chaos versinken würde.

Nach Abschluss der Schule wandte Clarissa sich der Theologie zu, in der Hoffnung, darin Antworten auf jene Fragen nach dem Sinn des Lebens und Spiritualität zu finden, die ihre Mutter ihr nicht zu geben vermochte.

Trotz ihrer Enttäuschung über die – O-Ton: „Verlogenheit“ der Professoren schloss sie das Studium erfolgreich ab. In weiterer Folge unterrichtete sie über zwanzig Jahre an einem Wiener Gymnasium. Als Religionslehrerin war es Clarissa bis zur Einführung der Zentralmatura an ihrer Schule im 18. Wiener Gemeindebezirk möglich, den Unterricht relativ frei zu gestalten. Clarissa hielt sich wenig an Lehrpläne und vermittelte den jungen Menschen, die eigene Wahrheit stets in sich selbst zu suchen und ihrem Bauchgefühl treu zu bleiben, egal, was andere sagten.

Spirituelle Erziehung statt dogmatischem Religionsunterricht

Clarissa Horak machte die Erfahrung, dass sie mit Märchen, Meditationen und geführten Klangreisen die ungeteilte Aufmerksamkeit der Kinder erreichte. Es wurde regelmäßig mucksmäuschenstill in der Klasse, die Kinder begannen zu malen und entdeckten in sich etwas wieder, das in ihrem Alltag meist zu kurz kam: die innere Ruhe und Weisheit des eigenen Herzens.

Wie auch bei Eugen Drewermann (Theologe und Psychotherapeut) und Verena Kast (Psychologin, Jung Institut, Universität Zürich) nachzulesen, haben Märchen aus psychologischer Sicht regelrechte Tiefenwirkung. Sie veranschaulichen komplexe Zusammenhänge in einfachen Bildern und bieten damit nachhaltig Orientierung fürs reale Leben. So zum Beispiel tauchen immer wieder Fabelwesen auf, die ihre Gestalt ändern können. Ein Hinweis darauf, das nicht alles ist, wie es scheint. Dass nichts nur schwarz oder weiß ist. Begegnet uns im Alltag jemand, der nicht einzuordnen ist, erinnern wir uns der Fabelwesen aus einmal gehörten Geschichten …

Mehrere Gestalten eines Märchens können, wie eingangs erwähnt, auch für die teils widerstreitenden Aspekte des Unbewussten stehen. Wie die Welt im Außen, ist auch unsere Innenwelt voller Gegensätze. Im Märchen oder der Fabel werden sie zu guten und bösen, lichten und dunklen Gestalten, Hexen und Feen.

Wir erhalten so eine Anleitung, all diese Aspekte ins Bewusstsein zu holen und dann zu integrieren und auf diesem Wege heil zu werden. Die Botschaften der Märchen, Sagen und Mythen sind zeitlos.

Horak war es im Unterricht besonders wichtig, den Kinder zu vermitteln, dass sie eigenständige Individuen sind. Dass das „über einen Kamm scheren“ nicht mit gerechter Verteilung gleichzusetzen sei. Dass die Kinder meist eine klare Wahrnehmung dafür haben, was ihnen entspricht und was nicht und dass sie sich diese möglichst ein Leben lang erhalten sollten.

Vor zwei Jahren kehrte Clarissa Horak zuerst der katholischen Kirche und in weiterer Folge dem Schulwesen den Rücken. Seither ist sie unter anderem als Geschichtenerzählerin tätig. Für Kinder wie Erwachsene. Darüber hinaus schreibt sie an ihren Memoiren und erinnert sich zunehmend an altes Heilwissen.

Weiterführende Links:

Links: Joseph Campbell – The heroes journey https://www.youtube.com/watch?reload=9&v=rWaNgsFvWxM
Buchbesprechung Verena Kast – Mythos, Traum, Realität https://literaturkritik.de/id/7000
Video Eugen Drewermann – Märchen als Wegweiser der Seele https://www.youtube.com/watch?v=_-b6-7AKOwI

Kontakt:

Clarissa Horak | E-Mail: clarissa.horak@gmx.at | Telefon: +43 (0) 676 44 89 786

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