E-Cat 2011: Die Nickel-Wasserstoff-Demonstration von Bologna
Am 14. Januar 2011 lud die Universität Bologna rund 50 Journalisten und das italienische Fernsehen zu einer Medienkonferenz. Der Ingenieur Andrea Rossi und der emeritierte Physikprofessor Sergio Focardi kündigten an, in Kürze ein kommerzielles Produkt auf den Markt zu bringen: einen Wärmeerzeuger, den „Energy Catalyzer“, kurz E-Cat.
Das Verfahren
Im Reaktor wird pulverisiertes Nickel bei Temperaturen zwischen etwa 150 und 800 Grad mit Wasserstoff unter Druck zusammengebracht. Nach Darstellung der Erfinder wandeln sich dabei Nickelatome teilweise in Kupfer um, und es wird mehr Wärme frei, als für Start und Betrieb nötig ist. Im NET-Journal wurde das als „Kalte Fusion“ beziehungsweise niederenergetische Kernreaktion (LENR) gedeutet – ohne gefährliche Strahlung und ohne radioaktive Abfälle.
Die Zahlen von Bologna
- Mitorganisator Dr. Giuseppe Levi vom Nationalen Institut für Kernphysik (INFN) bestätigte, der Reaktor habe rund 12 Kilowatt Wärme geliefert, bei etwa 400 Watt elektrischer Eingangsleistung – ein Verhältnis von grob 30 zu 1. Da praktisch kein Wasserstoff verbraucht worden sei, könne die Wärme nicht chemischen Ursprungs sein.
- Für kommerzielle Geräte nannten die Erfinder 10 bis 12 Kilowatt Wärme bei 600 bis 700 Watt Eingangsleistung.
- Standardmodule sollten 4 Kilowatt bei 500 Watt liefern, bewusst auf einen Faktor 8 begrenzt; im Labor seien schon Faktoren über 400 erreicht worden, dabei sei es aber zu Explosionen gekommen.
- Aus 125 Modulen sollte ein 1-Megawatt-Kraftwerk entstehen.
Rossi selbst gab sich gelassen: Entscheidend sei nicht, Fachleute zu überzeugen, sondern wie der Markt reagiere.
Vorgeschichte und Kritik
Das NET-Journal erinnerte daran, dass die Nickel-Wasserstoff-Reaktion nicht bei Rossi begann. Der Biophysiker Prof. Francesco Piantelli hatte schon 1989 unerklärliche Wärme bei Nickel und Wasserstoff beobachtet und mit Focardi dazu geforscht. Kritische Stimmen gab es von Anfang an: Die Zeitschrift Popular Science bemängelte, dass eine Bewertung durch die Fachwelt ausgeblieben sei. Rossi und Focardi veröffentlichten ihre Ergebnisse in einer eigenen Online-Zeitschrift, weil anerkannte Fachjournale sie nicht annahmen.
Im Frühjahr 2011 berichtete das NET-Journal, Rossi sei mit dem Bau von 1-MW-Anlagen in den USA und Griechenland beschäftigt; ein geplanter Kongressvortrag wurde deshalb verschoben. Die Herausgeber vereinbarten mit ihm eine Zusammenarbeit für die Schweiz.
Einordnung
Bologna 2011 war der Startpunkt einer Entwicklung, die das NET-Journal fünfzehn Jahre lang begleitet hat. Schon hier zeigt sich ein Grundproblem: Die Messungen fanden im Umfeld der Erfinder statt, wichtige Teile des Reaktors blieben geheim, und eine unabhängige Wiederholung unter kontrollierten Bedingungen gab es nicht. Die angekündigte Auslieferung innerhalb weniger Monate fand nicht statt.
Die Reihe: E-Cat (Andrea Rossi) im NET-Journal
- 2011: Die Nickel-Wasserstoff-Demonstration von Bologna (dieser Beitrag)
- 2018: Ein Zentimeter Reaktor in Stockholm
- 2019: Wärme im Leasing statt Kraftwerk zum Kaufen
- 2022: 100 Watt aus der Box – ab einer Million Bestellungen
- 2024: Der Twizy-Vergleich von Latina
- 2025: Produktionspläne – und was 2026 davon zu sehen ist
Quellen: NET-Journal (Jupiter-Verlag) 1/2 2011, S. 9–17; 3/4 2011, S. 3 und 34–36. Text und Schema: GAIA Redaktion.
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