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Die Lieferketten fĂŒr Batterien/BESS 🔋

Die Lieferketten fĂŒr Batterien/BESS 🔋
Herbert Saurugg, saurugg.net

Quelle: Marco Felsberger

Der Beitrag warnt vor einer möglichen Kumulation mehrerer Krisenentwicklungen im Winter 2026/27. Entscheidend sei dabei der 10. November 2026: An diesem Tag könnten sowohl chinesische ExportbeschrĂ€nkungen fĂŒr Batterievorprodukte und Fertigungsanlagen als auch bestimmte Kontrollen bei Seltenen Erden wieder verschĂ€rft werden. Gleichzeitig steigen der Druck durch hybride Angriffe und die Nachfrage durch Europas AufrĂŒstung.

AbhÀngigkeit von China bleibt bestehen

Europa versucht, durch neue Batteriezellfabriken in Ungarn und Polen unabhÀngiger von China zu werden. Nach Ansicht des Autors verlagert sich die AbhÀngigkeit jedoch lediglich:

  • 83 Prozent der im ersten Halbjahr 2026 gelieferten Batteriespeicherzellen stammten von zehn großen, ausschließlich chinesischen Herstellern.
  • Rund 97 Prozent der weltweiten Anodenmaterial-KapazitĂ€t seien chinesisch.
  • Bei LFP-Kathodenmaterial liege der chinesische Anteil bei etwa 90 Prozent.
  • Auch die Maschinen zur Zellfertigung kĂ€men vielfach aus China.

EuropĂ€ische Fabriken montieren daher zwar möglicherweise die Zellen in Europa, benötigen aber weiterhin chinesische Vorprodukte und Anlagen. Eine formale „EuropĂ€isierung“ der Produktion beseitige die strategische Verwundbarkeit somit nicht.

Batterien als kritische Infrastruktur

Batteriespeicher seien nicht nur fĂŒr die Energiewende relevant, sondern fĂŒr die Aufrechterhaltung kritischer Funktionen bei NetzausfĂ€llen. Sie bestimmen, wie lange unter anderem

  • Leitstellen,
  • Telekommunikationsstandorte,
  • Pumpstationen und
  • andere kritische Einrichtungen

bei einem Stromausfall weiterarbeiten können.

Der Autor stellt Batterien in diesem Zusammenhang neben Transformatoren. Bei Transformatoren seien Lieferzeiten von mehr als zwei Jahren möglich. Beide Komponenten beeinflussten damit unmittelbar die FÀhigkeit, beschÀdigte oder ausgefallene Infrastrukturen wiederherzustellen.

Mehrfacher Wettbewerb um knappe Ressourcen

ZusÀtzlich konkurrieren mehrere Nachfragebereiche um dieselben industriellen KapazitÀten:

  • Europas Stromnetzbetreiber benötigen Batterien, Transformatoren, Elektronik, MaschinenbaukapazitĂ€ten und FachkrĂ€fte.
  • Die europĂ€ische AufrĂŒstung greift auf viele derselben Ressourcen zurĂŒck.
  • Die USA könnten laut ihrer im Januar 2026 veröffentlichten Nationalen Verteidigungsstrategie im Krisenfall zunĂ€chst eigene BedĂŒrfnisse bedienen und Europa nur begrenzt unterstĂŒtzen.

Die bisherige Planung Europas, im Notfall automatisch auf amerikanische industrielle UnterstĂŒtzung zĂ€hlen zu können, mĂŒsse deshalb als bewusste politische Annahme hinterfragt werden.

Zunehmender Druck durch hybride Angriffe

Der Beitrag verbindet die Lieferkettenrisiken mit einer zunehmenden Bedrohung kritischer Infrastruktur durch Russland. FĂŒr Deutschland nennt der Autor – unter Berufung auf einen vertraulichen BKA-Bericht, ĂŒber den NDR, WDR und die SĂŒddeutsche Zeitung berichtet hĂ€tten – zwischen Januar und Ende August 2026:

  • 747 verdĂ€chtige DrohnenvorfĂ€lle,
  • insgesamt 1.068 Drohnen,
  • mehr als 165 mutmaßliche SabotagefĂ€lle.

Diese Zahlen umfassten auch AufklÀrung und VerdachtsfÀlle, deuteten nach EinschÀtzung des Autors aber dennoch auf eine systematische Beobachtung kritischer und militÀrischer Einrichtungen hin.

Der polnische MinisterprĂ€sident Donald Tusk habe fĂŒr die Monate bis zum FrĂŒhjahr ein Szenario beschrieben, bei dem Drohnen oder Raketen NATO-Gebiet verletzen, SchĂ€den verursachen und anschließend als „versehentlich“ dargestellt werden. Ziel könne es sein, die praktische GlaubwĂŒrdigkeit von Artikel 5 des NATO-Vertrags zu testen. Auch der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron habe vor einer VerschĂ€rfung der russischen hybriden Bedrohung gewarnt und Schutzmaßnahmen gegen Drohnen- und Cyberangriffe angeordnet.

Die zentrale Aussage lautet: Ein großer Angriff sei möglicherweise nicht unmittelbar bevorstehend, aber die Kampagne unterhalb der Kriegsschwelle laufe bereits.

Der 10. November als möglicher Wendepunkt

China hatte im Oktober 2025 Exportkontrollen fĂŒr eine wichtige Zwischenstufe der Batterielieferkette angekĂŒndigt:

  • Anodenmaterial,
  • Kathodenmaterial,
  • Maschinen zur Zellfertigung.

Diese Regelungen wurden im Rahmen eines Handelsabkommens vorĂŒbergehend ausgesetzt. Die Aussetzung soll am 10. November 2026 enden. Danach könnte Peking Exporte wieder fallweise genehmigen oder verzögern.

Als Beispiel verweist der Autor auf die chinesischen GraphitbeschrĂ€nkungen von 2023 und 2024: Vor Ablauf einer Regelung kam es zunĂ€chst zu vorgezogenen Exporten, anschließend folgten monatelange Genehmigungsverzögerungen. Fabriken mussten nicht sofort schließen, doch Abnehmer außerhalb Chinas mussten deutlich lĂ€nger warten.

Parallel könnten an diesem Datum auch ausgesetzte Exportkontrollen fĂŒr Seltene Erden wieder relevant werden. Diese betrĂ€fen unter anderem Magnete, Elektromotoren und Verteidigungslieferketten – auch dann, wenn die Endprodukte außerhalb Chinas gefertigt werden.

Von Preissteigerungen zu Verteilungskonflikten

Der Markt sei bereits angespannt:

  • LagerbestĂ€nde der Industrie reichten nur fĂŒr etwa elf Tage.
  • Produktionslinien liefen mit mehr als 90 Prozent Auslastung.
  • Lieferzeiten lĂ€gen bei 45 bis 60 Tagen.
  • Standard-Batteriezellen seien etwa 22 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.

Der Autor unterscheidet zwei Krisenphasen:

  1. Preisphase: Komponenten werden teurer, was zunÀchst vor allem ein Budgetproblem darstellt.
  2. Allokationsphase: Lieferanten entscheiden, welche Kunden ĂŒberhaupt noch beliefert werden. Kleine Abnehmer verlieren zuerst den Zugang.

Diese zweite Schwelle erwartet der Autor zwischen dem vierten Quartal 2026 und dem zweiten Quartal 2027.

Politische und operative Konsequenzen

Aus Sicht des Autors fehlt bislang eine politische Priorisierung kritischer Abnehmer. Es sei nicht entschieden, ob beispielsweise ein Wasser­versorger im Engpassfall Vorrang vor einem Rechenzentrum erhĂ€lt – vergleichbar mit den Priorisierungsregeln, die wĂ€hrend der Gasversorgungskrise 2022 geschaffen wurden.

FĂŒr Regierungen stelle sich daher die Frage:

  • Welche Speicher, Ersatzteile und Komponenten gelten als kritisch?
  • Wer wird im Engpassfall bevorzugt beliefert?
  • Welche strategischen Reserven mĂŒssen aufgebaut werden?

FĂŒr Betreiber kritischer Infrastruktur seien dagegen unmittelbar praktische Fragen entscheidend:

  • Wie viele Stunden können kritische Standorte tatsĂ€chlich autark betrieben werden?
  • Welche Ersatzteile sind selbst vorhanden?
  • Bei welchen Komponenten verlĂ€sst man sich auf Lieferungen innerhalb einer Woche?
  • Was geschieht, wenn gleichzeitig zahlreiche andere Betreiber beim selben Lieferanten bestellen?

Kernaussage

Der Beitrag behauptet nicht, dass Russland, China und die USA diese Entwicklungen koordiniert hÀtten. Seine These ist vielmehr, dass unabhÀngig voneinander entstehende EngpÀsse zeitgleich aufeinandertreffen:

  • mögliche chinesische ExportbeschrĂ€nkungen,
  • europĂ€ische AufrĂŒstung,
  • begrenzte amerikanische UnterstĂŒtzung,
  • angespannte Batterie- und TransformatorenmĂ€rkte,
  • hybride Angriffe auf kritische Infrastruktur.

Dadurch könnten sich nicht nur Preise erhöhen, sondern vor allem harte VerteilungskÀmpfe um Batterien, Transformatoren, Elektronik, Ersatzteile und FachkrÀfte entwickeln. Der Autor empfiehlt, besonders die ersten beiden Novemberwochen 2026 zu beobachten. Sollte die Aussetzung nicht verlÀngert werden, könnten sich Verzögerungen bei europÀischen Batteriefabriken ab Dezember bemerkbar machen.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf saurugg.net — mit freundlicher Genehmigung von Herbert Saurugg. Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0, Herbert Saurugg.
Titelbild: UniEnergy Technologies / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

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