Energierebell im Finale: Traktoren mit Sonnenblumenöl und 750.000 Euro gespart
Wolfgang Löser steht mit seinem Energiebauernhof im Finale des CERES AWARD 2026, Kategorie Energie. Die Fachzeitschrift agrarheute, die den Preis vergibt, stellt ihn als „Energierebell” vor: einen Landwirt, dessen Betrieb seine Energie vollständig selbst erzeugt – Strom und Wärme aus Photovoltaik, Kraftstoff und Heizöl aus Sonnenblumen.
1973: Der Moment an der Zapfsäule
Den Anstoß gab die Ölkrise. 1973 ging Löser mitten beim Tanken der Diesel aus. Der gelernte Kfz-Mechanikermeister aus Niederhollabrunn bei Wien zog daraus seine Konsequenz und rüstete seine Traktoren – darunter einen Steyr und einen Case IH – selbst auf Pflanzenöl um. Viele hielten das damals für eine Schnapsidee. Heute ist der 71-Jährige weit über Niederösterreich hinaus bekannt, hat das Buch „Der Energierebell” geschrieben und hält bis zu 100 Vorträge im Jahr.
Wer den Hof schon kennt: GAIA war 2014 auf Exkursion beim Energierebell.
Sonnenblumen als Energiequelle
Das Herzstück des Betriebs ist die Sonnenblume:
- 10 Hektar von 60 stehen unter Sonnenblumen. Nach Lösers Erfahrung reichen 10 bis 15 Prozent der Fläche, um den Kraftstoff eines landwirtschaftlichen Betriebs zu decken.
- Die hofeigene Presse liefert rund 1.000 Liter kaltgepresstes Öl pro Woche.
- Das Öl treibt die Traktoren an und ein Blockheizkraftwerk mit 21 kVA, das Strom und Wärme erzeugt.
- Pflanzenöl zündet erst bei 200 bis 300 °C. Löser hat deshalb Einspritzung und Motorsteuerung angepasst.
- Aus rund 200 Sorten hat er ein Dutzend ausgewählt, deren Öl bis minus 18 °C flüssig bleibt – damit ist es wintertauglich.
- Mit bis zu 20 Prozent Glycerin bringt das Öl beim Fahren einen stärkeren Drehmomentanstieg als fossiler Diesel.
Kreislauf statt Zukauf
Acker und Energie greifen auf dem Hof ineinander. Bei der Kaltpressung unter 55 °C bleiben Phosphor und Magnesium im Presskuchen; der geht als Futter in den Stall oder als Dünger und Humusbildner zurück aufs Feld. Pfluglose Bodenbearbeitung spart Treibstoff, mechanische Beikrautregulierung ersetzt einen Teil der Pflanzenschutzmittel. Lösers Prinzip: nicht den Ertrag maximieren, sondern den Gewinn – über niedrige Kosten.
Die Bilanz
Rund 100.000 Euro hat Löser investiert, rund 750.000 Euro an Energiekosten hat er dadurch gespart. Seine Überzeugung: Nahezu jeder Landwirt könnte energieautark wirtschaften. Die Landwirtschaft soll wieder leisten, was sie früher selbstverständlich tat – neben Lebensmitteln auch Energie und Rohstoffe liefern.
Die Preisverleihung
Der CERES AWARD wird 2026 zum 13. Mal vergeben, in sieben Kategorien. Bewertet werden nicht Höchsterträge, sondern wirtschaftlicher Erfolg zusammen mit Mut, Ideenreichtum und Verantwortung für Familie, Betrieb, Tier, Natur und Gesellschaft. Aus den Kategoriesiegern wählt eine Jury die „Landwirtin oder den Landwirt des Jahres 2026”. Verliehen wird am Mittwoch, 21. Oktober 2026, im Kosmos in Berlin.
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