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Wie kann Schule anders gelebt werden? Wo funktioniert das schon?

Eigenständigkeit, Eigenverantwortung & Eingebundensein – darum geht es doch, oder?

Frontalunterricht, unflexible Lehrpläne, überholter Lehrstoff, überlastete Schüler, unzufriedene Eltern… Geht das nicht anders?
Das Bildungssystem steckt in der Krise – und das nicht erst seit Kurzem. Immer mehr Eltern erkundigen sich nach Alternativen zu staatlichen Schulen, denn Kreativität, kritisches Denken und Freude am Lernen bleiben immer mehr auf der Strecke.
Verschiedene interessante, unseren Kindern zugute kommende Projekte sind zur Zeit nur an Privatschulen realisierbar. Dort zahlen Eltern einen Beitrag, damit die Kinder in den Genuss neuer Lernkonzepte kommen. Es ist aber höchste Zeit, dass zumindest einige der Ideen, wie Lernen individueller, kreativer, spannender werden kann, auch in staatlichen Schulen ankommt, meinen immer mehr besorgte Eltern. Oft scheitert die Erneuerung nämlich nicht am Geld – sondern am Willen zur Veränderung.
Der Wunsch nach neuen individuellen Schulmodellen wird immer größer. Ideen, wie das gelingen kann, gibt es viele – einige davon praktikabler als andere.

Wie können solche Wünsche umgesetzt werden? Einige Projekte, Schulen bzw. Vereine zeigen uns schon in umgesetzter Form, wie diesen Wünsche entgegengekommen werden kann:

1. Praxisbezogene Orte anstatt kleinen Klassenzimmern
Im April 2015 rief die Stadt Amsterdam einen Ideenwettbewerb zum Thema Schule der Zukunft aus. Einer der Finalisten ist die School for Excellence. Das Prinzip dahinter ist, dass die Kinder je nach Fach, an einen Ort gehen, der mit dem Unterricht direkt in Verbindung steht. Je nach Schwerpunkt lernen die Kinder dann beispielsweise in einem Konzertsaal oder einem Startup-Büro. Gerade in dicht besiedelten Städten löst man so das Platzproblem. Außerdem spart die Schule Kosten für Gebäudeflächen.

2. Lehrer als Potenzialentfalter und nicht als reine Lehrende
Die Gründerin der School for Excellence, Annabel Esman, erklärt das Konzept folgendermaßen: “Unser Plan war es, eine Schule aufzubauen für Kinder und Jugendliche zwischen vier und 18 Jahren, in der jeder Schüler individuell in den Bereichen unterstützt wird, in denen er besonders gut ist.”
Hirnforscher Gerald Hüther bestätigte dies in einer TV-Talkshow und sagte, der zentrale Denkfehler im deutschen Schulsystem bestehe in der Annahme, man müsse Kinder belehren, sie bewerten, sie selektieren. “Wenn ein Kind aus einer Gruppe ausgeschlossen wird, weil es beispielsweise nicht den gleichen Lernrhythmus hat wie die anderen, werden im Gehirn die gleichen Netzwerke aktiviert wie wenn man Schmerzen zugefügt bekommt. Und da frage ich die Lehrer: Glaubt ihr, dass man was lernen kann, wenn man Schmerzen hat?”

3. Jedem sein eigenes Lerntempo
Mangelnde Flexibilität bezogen auf die individuelle Lerngeschwindigkeit, ist wohl einer der häufigsten Kritikpunkt am klassischen Schulmodell. Ob der unterschiedlichen Talente, ergibt es wenig Sinn, alle Schüler in allen Fächern gleich schnell zu unterrichten.
Die Alan Turing School baut auf das Prinzip, dass die Kinder so schnell lernen sollen, wie sie es schaffen. So kann ein Schüler in Englisch schon auf dem Level der achten Klasse sein, in Chemie aber erst auf dem der fünften Klasse. Um die Übergänge fließend zu machen, soll das Alter der Schüler wie bei der School for Excellence von vier bis 18 Jahren reichen.

4. Zeitliche Flexibilität
Schulen sollen Geschäftsöffnungszeiten anbieten und 50 Wochen im Jahr von 8 bis 20 Uhr geöffnet sein. Auch die Alan Turing School ist Teilnehmer bei dem Ideenwettbewerb in Amsterdam. Gewinnen die Initiatoren den Wettbewerb, könnte das Projekt schon 2017 umgesetzt werden.

5. Jahrgangsübergreifende “Lernbüros”
Ein Projekt, das schon seit Jahren erfolgreich läuft, ist die 2007 gegründete Evangelische Gemeinschaftsschule Berlin Zentrum. Sie ist angelegt nach dem Prinzip “ich kann” statt “du sollst”. Der Unterricht in Fächern wie Deutsch, Englisch und Mathematik findet in “Lernbüros” statt, in denen Schüler verschiedenen Alters zusammenkommen.
Ähnlich wie in der Alan Turing School sollen die Kinder und Jugendlichen selbst entscheiden können, in welchem Tempo sie lernen. “Dieses individualisierte Lernen führt dazu, dass Schüler keine Lernobjekte mehr sind, sondern selbst zum Mittelpunkt ihres Lernens und Handelns werden”, sagte die Schulleiterin, Margret Rasfeld, gegenüber “T-Online”. So könnten sie entsprechend ihrer Fähigkeiten arbeiten und seien weitaus motivierter. Außerdem helfen sich die Schüler untereinander viel mehr.
Wenn Kinder beispielsweise nach einer Krankheit wieder in die Schule kommen, können sie mit dem Stoff dort weitermachen, wo sie aufgehört haben. Dadurch haben sie zwar mehr Entscheidungsspielraum, müssen aber auch eigenverantwortlicher lernen.

6. Klausurtermin selber wählen
In der Evangelischen Gemeinschaftsschule Berlin Zentrum bezieht sich die Eigenverantwortlichkeit der Schüler auch auf die Prüfungen. Erst, wenn ein Schüler das Gefühl hat, dass er den Stoff sicher beherrscht, meldet er sich für den Test an. Besteht er ihn, erhält er ein Zertifikat für den betreffenden Themenabschnitt. Auch hier gilt das von Rasfeld propagierte “ich kann” und nicht “du sollst”.

 

Margret Rasfeld nach dem Motto: Grundlage von Schule ist Beziehung

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