„Es kann jederzeit passieren“: Stromausfall in Schleswig-Holstein verursacht Millionenschäden
Maurice Forgeng, Epoch Times
In Kürze:
- Der Stromausfall vom 18. Oktober in Schleswig-Holstein sorgte für Tausende Schadensmeldungen.
- Eine Überspannung beschädigte oder zerstörte Haushaltsgeräte und Wärmepumpen.
- Bislang wurden beim NetzbetreiberSchäden in Höhevon 16 Millionen Euro geltend gemacht.
- Der Energieexperte Stefan Spiegelsperger sieht Parallelen zu einem Überspannungsfall von vor rund drei Jahren.
Am Sonntagvormittag, 18. Oktober, ereignete sich im Westen Schleswig-Holsteins ein großflächiger Stromausfall. Rund 40.000 Haushalte waren davon betroffen. Bei den meisten war nach etwa zwei Stunden der Strom wieder da. Bis 17 Uhr war bei allen Kunden die Stromversorgung wiederhergestellt, wie „Ihr Anzeiger“ berichtete. Doch dieser Stromausfall war anders als andere. Denn in der Folge häuften sich die Schadensmeldungen. Bis Mittwoch, 4. November, gingen beim lokalen Netzbetreiber Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) laut eigener Aussage rund 5.000 davon ein.
Der Grund für die Schäden: Eine Überspannung direkt nach dem Stromausfall zerstörte viele elektrische Geräte. Dazu zählen Haushaltsgeräte, Wärmepumpen und andere technische Anlagen.
Schäden in Höhe von 16 Millionen Euro
SH Netz hat die gesamte Schadenssumme, die bisher geltend gemacht wurde, auf rund 16 Millionen Euro beziffert. Dieser Betrag sei jedoch nicht mit der festgestellten oder ersatzfähigen Schadenshöhe gleichzusetzen, so SH Netz. Diese werde erst durch die Prüfung aller eingegangenen Meldungen ermittelt. Aufgrund der hohen Anzahl an Meldungen sei aktuell noch unklar, wie lange die Bearbeitung dauern werde. Fälle mit besonderen persönlichen Härten wolle das Energieunternehmen vorziehen. Von den 5.000 Fällen kontaktierten die Versicherungen seit einigen Tagen die ersten rund 300 Betroffenen mit einer gemeldeten Schadenshöhe von jeweils über 10.000 Euro.
Wie hoch letztlich die jeweiligen möglichen Ersatzansprüche ausfallen, hänge von den individuellen Anspruchsgrundlagen und dem konkreten Schaden ab. Auch gewerbliche Schadensmeldungen würden bearbeitet. Ihre Prüfung könne wegen der unterschiedlichen Schadensarten und rechtlichen Voraussetzungen allerdings länger dauern. Ebenso entwickele SH Netz eine Härtefalllösung. Hierbei solle auf freiwilliger Basis aus Kulanz und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht Geld bereitgestellt werden, um Menschen mit besonderen Belastungen durch den Stromausfall zu helfen. Momentan sei der Gesamtumfang dieser Härtefalllösung noch unklar und hänge von der Art und Höhe der geltend gemachten Schäden ab. Es zeichne sich dafür jedoch ein Betrag in einstelliger Millionenhöhe ab.
Wie es zu der Überspannung kam
Auslöser des Stromausfalls sei laut dem Unternehmen das Versagen einer Leiterverbindung im 110-Kilovolt-Netz im Raum Itzehoe gewesen. Wie sich im Nachhinein herausgestellt habe, habe es an einer falschen Verbindungsklemme im Hochspannungsnetz gelegen, die nicht zur Stromleitung gepasst habe. An dieser Stelle sei die Leitung gerissen und auf einen Mast gefallen. Das habe einen Kurzschluss verursacht sowie eine Unterbrechung in der Stromversorgung. Normalerweise verfüge das Stromnetz über Sicherungssysteme, die verhindern, dass es dadurch zu einem solch großflächigen Ausfall kommt wie am 18. Oktober, erklärte Ove Struck, Sprecher von SH Netz.
Ein weiterer Faktor, so der Energieexperte Stefan Spiegelsperger auf seinem YouTube-Kanal „Outdoor Chiemgau“, sei eine übermäßige Auslastung der Leitungen in der Region aufgrund von „viel zu viel Windstrom im Netz“ gewesen. Der Ausfall dieser einen Leitung habe andere, bereits am Limit fahrende Leitungen in der Region zusätzlich belastet, da sie die Strommenge der ausgefallenen Leitung hätten mittragen mussten. Das habe letztlich dazu geführt, dass Überspannungen bei den Verbrauchern ankamen. Der Energieexperte sprach hierbei von möglicherweise bis zu 6.000 Volt. Normalerweise läuft das Niederspannungsnetz mit 230 bis 240 V. Die Überspannungen haben die Haushaltsgeräte beschädigt oder zerstört.
Vergleich mit Fall in der Pfalz
Spiegelsperger erinnerte an den ähnlichen Fall vom 3. Oktober 2023 im Landkreis Kusel in Rheinland-Pfalz. Auch dort sei es im Zuge eines Stromausfalls zu kurzen Überspannungen von bis zu 6.000 Volt gekommen. Auch damals zerstörte dieses Ereignis zahlreiche elektrische Geräte, darunter Durchlauferhitzer in Privathaushalten und ebenso teure Großgeräte von Unternehmen. Auf eine Entschädigung warten die betroffenen Stromkunden laut Medienberichten vom September immer noch. „Es kann jederzeit passieren“, erklärte Spiegelsperger. Das gelte auch bundesweit, wie die Fälle in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein zeigten. „So eine Leitung kann überall abreißen, vor allem weil unsere Netze heute viel mehr belastet sind als früher.“ Der hinterherhinkende Netzausbau und der massive Ausbau der erneuerbaren Energien trieben unser Stromsystem immer öfter an seine Grenzen – und manchmal darüber hinaus.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf Epoch Times — mit freundlicher Genehmigung von Maurice Forgeng.
Titelbild: analogicus / Pixabay
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