Noch gibt es die Chance auf eine bessere Welt!

Sigrid Wagner
W
23. Mai 2016

Noch gibt es die Chance auf eine bessere Welt!

Nutzen wir sie.

Von Sigrid Wagner,

Ist es naiv und unrealistisch, von einer Welt zu träumen, die ohne Armut, Krieg und Unrecht auskommt?


Von einer Welt, wo die Bedürfnisse Aller befriedigt sind – eingebettet in eine intakte Natur. Wo die von Menschen geschaffene Kultur und Technik mit dem Ökosystem Erde harmonieren. Wo das Wohl des oder der Einzelnen nur in Zusammenhang mit dem Wohl des Ganzen und aller seiner Bestandteile erfahren und gedacht werden kann. Wo Respekt und Achtung füreinander herrschen und alle Menschen ihre individuellen Potenziale frei entfalten können. Wo Demokratie konkret wird und die unmittelbare Mitgestaltung der direkten Lebensumstände alltäglich ist.
ist das wirklich naiv und unrealistisch? Das mag sein. Jedoch noch naiver und unrealistischer ist die Vorstellung, unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem könne über einen längeren Zeitraum in seiner jetzigen Form fortbestehen oder die natürlichen Ressourcen seien auf ewig vorhanden.
Dieses Denken muss unweigerlich zu extremen ökologischen und sozialen Katastrophen führen, deren Auswirkungen sich niemand entziehen kann.
Es ist alles offen. Wir können gewinnen oder verlieren. Geben wir also vollen Einsatz!
Realistisch betrachtet steht unsere Zukunft auf Messers Schneide. Allumfassender Kollaps oder allumfassende Transformation – das könnten wir uns noch fragen. Das Tragische daran ist: Wer den Kopf in den Sand steckt und weiter der Illusion aufsitzt, es könne weitergehen wie bisher, stärkt unbewusst die Wahrscheinlichkeit des Kollapses. Für alle, die eine komplette Systemtransformation als einzig gangbare Lösung sehen, bleibt in dieser Situation nur, auf allen Ebenen volle (Eigen)-Verantwortung zu übernehmen und die Transformation mit ganzer Kraft zu unterstützen. Daher ist es absolut erfreulich, dass immer mehr alternative soziale und ökologische Projekte mit fundamental anderen Gesellschafts- und Wirtschaftsmodellen experimentieren.

Also was können wir tun?

Um einen Wandel zu erwirken, braucht es simultan und bereichsübergreifend zielgerichtete Aktionen auf allen Ebenen – und zwar mit vollem Einsatz! Auch braucht es die Verbreitung der positiven Vision einer Gesellschaft, die vom Wachstumszwang befreit ist und die auch in weiteren Kreisen Sehnsucht wecken kann und sich nicht nur über materiellen Verzicht definiert.

…auf der gesellschaftlichen und lokalen Ebene
Wenn genügend Menschen daran beteiligt sind, Initiativen wie Ökodörfer, Transition-Town, Gemeinschaftsgärten, lokale Tauschringe oder Food-Sharing mit Aktivitäten und Leben zu füllen, kann hier eine große Kraft entfaltet werden.

…auf der individuellen Ebene
Hier kann jeder zunächst am meisten verändern und durch Vorbildfunktion oder subversiven Widerstand viel erreichen. Und: je mehr jeder auf dieser Ebene verändert – also nicht Auto fährt oder fliegt, wenig konsumiert, mehr Selbstversorgung betreibt und sei Leben gemeinsam mit anderen nach ökologischen und sozialen Kriterien organisiert – desto deutlicher tritt der Zusammenhang zwischen eigenem Verhalten und gesellschaftlichen Strukturen zutage. Und schlussendlich ist man wieder auf der politischen und gesellschaftlichen Ebene angelangt, auf der jeder einzelne einwirken muss, damit nachhaltige Lebensstile attraktiv für alle werden können.

…auf der spirituellen Ebene
Da die materialistische Weltsicht die Frage nach einem tieferen Sinn des Lebens ausblendet, ist die Krise der kapitalistischen Konsumgesellschaft gleichzeitig eine spirituelle Krise. Ausgelöst durch psychische Krisen wie Burn-Out und Depression, gehen allerdings immer mehr Menschen den Weg nach Innen und beginnen z.B. mit der Hilfe von Meditation oder anderen spirituellen Techniken die Kultur des Habens durch eine Kultur des Seins zu ersetzen.

Divestment: Wirtschaft und Gesellschaft werden durch Geldströme gestärkt. Divestment ist ein gezielter Abzug von Geldern aus einem System, das dadurch geschwächt wird. Hin zu einem System, das gestärkt werden soll. Wenn es also falsch ist, das Klima zu zerstören, dann ist es auch falsch, von dieser Zerstörung zu profitieren.
Aktuell sind Divestment-Kampagnen, die Gelder aus der Erzeugung fossiler Energien abziehen und zu erneuerbaren Energien umleiten, sehr erfolgreich. Eine umfassende Transformation bräuchte jedoch ein weiter gefasstes Verständnis von Divestment – gepaart mit entschlossenem Handeln. Der, dem es wirklich ernst ist mit dem Wandel, zieht sein Geld aus dem kompletten System zurück. Also keine Banken, Finanzprodukte oder Versicherungen mehr, die auch nur indirekt die Öl-, Rüstungs-, Auto-, Flugzeug-, oder Gentechnikindustrie mitfinanzieren. Bevorzugend kann man das Geld bei den unzähligen sozialen und ökologischen Unternehmen oder Genossenschaftsprojekten einsetzen, die sich immer über Fördermitglieder freuen.

Widerstand
Überall wo sich die Auswüchse der Zerstörung bündeln, ist – parallel zum Aufbau alternativer Strukturen – Widerstand gefragt. Neben dem Widerstand gegen Abbau natürlicher Ressourcen gibt es unzählige Bürgerinitiativen überall da, wo unsinnige Großprojekte Natur und Lebensqualität zerstören.
Auf diese und viele andere Weisen, kann sich Jeder und Jede für den Wandel einsetzen. Je nach persönlichen Umständen und Vorlieben. Und egal was jemand tut oder unterlässt: Alles hat Konsequenzen. Für einen selbst. Für andere. Und für das gesamte System. Ob einen das nun bewusst ist oder nicht.

Treffen wir also immer wieder bewusst die Wahl:
für Solidarität statt Konkurrenz
für Lebensqualität statt Konsumquantität
Die Chance, all dies zu erreichen war nie größer. Lasst sie uns nutzen!

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