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Scholé-Nachrichten März 2020

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Alle Schulen geschlossen, alle Kinder zu Hause!

Noch vor wenigen Wochen hätte ich das nicht zu träumen gewagt… Unvermutet bekommt die gesamte Bevölkerung Gelegenheit, außerschulisches Lernen selbst auszuprobieren, ja ausprobieren zu müssen.

Einige Familien haben sich darüber gefreut und machen trotz aller Einschränkungen durch den Corona-Alarm schöne Erfahrungen, weil sie innerlich darauf vorbereitet waren.
In vielen anderen Familien steigt der Stresspegel: Die ungewohnte Nähe, die räumliche Enge und dazu noch schulische Vorgaben, was die Kinder in der unterrichtsfreien Zeit alles lernen und üben sollten…

Darum mein Aufruf an die Eltern: BITTE ERGREIFT PARTEI FÜR EURE KINDER! Versetzt euch in ihre Lage: Sie dürfen Großeltern, Bekannte und Freunde nicht mehr sehen, sie müssen sich in engen Räumen aufhalten, sie können kaum noch Sport treiben und sich nicht austoben. Sie spüren die Spannung, die in der Luft liegt, und schwingen wie Seismografen mit euren Ängsten und Sorgen mit. Wenn ihr psychische Krisen vermeiden wollt, dürft ihr sie auf keinen Fall zwingen, gegen ihren Willen Schulaufgaben zu machen! Eure Kinder brauchen keine Noten und Zeugnisse zum Leben, sie brauchen euch, eure Geduld, euer Verständnis und eure Liebe – sonst nichts! Nützt die Zeit des Rückzugs, um eure Kinder in ihrer Einzigartigkeit kennen und schätzen zu lernen! Lasst sie spielen und setzt sie nicht unter Druck!

Freilerner können die Erkenntnisse der Gehirnphysiologie bestätigen, dass echtes Lernen unter Druck gar nicht möglich, ohne Druck dagegen gar nicht aufzuhalten ist. Hier der ermutigende Bericht von Melanie Hetterich, einer erfahrenen Mutter von vier Kindern. Während die beiden Älteren zur Schule gingen, entschieden sich die zwei Jüngeren für selbstbestimmtes Lernen zu Hause.

Ganz Österreich bleibt zuhause. Die ersten drei Tage waren für uns als sechsköpfige Familie in einer kleinen Wohnung gar nicht so einfach. Es schien so, als müsste jeder seinen Platz in der Familie erst einmal wiederfinden. Im normalen Alltag gehen wir arbeiten, in die Schule, machen Sport, treffen Freunde und sind dadurch ausgelastet.

Aber ganz neu ist das intensive Zusammensein für uns trotzdem nicht, denn unsere beiden jüngeren Kinder gehen auch sonst nicht zur Schule beziehungsweise in den Kindergarten. Sie lernen frei und selbstbestimmt von zuhause aus, ähnlich wie viele Schülerinnen und Schüler das jetzt in ganz Österreich ausprobieren dürfen.

Der einzige Unterschied ist, dass es bei uns keine Vorgaben gibt, was den Stoff und die Lernzeit betrifft. Sie sind frei gestaltbar. Diese Art des Lernens kennen wir alle, zum Beispiel wenn ein Kleinkind zum ersten Mal einen komplexen Satz ausspricht. Die Eltern tauschen überraschte Blicke aus, Freude macht sich breit, die Augen leuchten. Das Wunderbare daran ist, dass das Lernen im Geheimen passiert ist und das Ergebnis deshalb scheinbar aus dem Nichts plötzlich auftaucht. So überraschen uns kleine Kinder jeden Tag aufs Neue.

Je älter die Kinder werden, desto stärker wird von außen bestimmt, was und wie sie lernen sollen. Schon im Kindergarten sind die Inhalte oft genau vorbereitet und didaktisch aufgebaut, damit die Kinder sie üben können. Ich denke, dass die Mehrheit solche Vorgaben für unerlässlich hält, besonders zur Vorbereitung auf die Schule. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn die meisten kennen es kaum anders. Hätten wir ohne pädagogische Maßnahmen auch so viel lernen können?

Elisa ist gerade 4,5 Jahre alt. Anders als die meisten Kinder ihres Alters geht sie nicht in den Kindergarten. Normalerweise sind wir viel unterwegs in der Natur, im Garten oder treffen Freunde. Jetzt ist das wegen der Coronakrise natürlich nicht möglich und wir haben besonders viel Zeit für kreative Tätigkeiten. Weil wir Oma und Opa im Moment nicht sehen können, schicken wir ihnen täglich kleine Grußbotschaften und kurze Videos von der ganzen Familie. Auch Elisa will mitwirken und hat ihre ganz eigenen Ideen dazu. So sind bereits einige Bastel- und Kochvideos von ihr entstanden.

Als erstes wollte sie ein Osterkörbchen aus Naturpapier basteln. Da ich noch ein Modell in Erinnerung hatte, konnte ich ihr die einzelnen Arbeitsschritte ansagen. Nebenbei erwähnt interessierte sich Elisa bis zu diesem Zeitpunkt kaum für Basteleien und hatte daher so gut wie keine Erfahrung mit dem Gebrauch einer Schere oder dem Falten von Papier.

Beim Filmen war ich erstaunt zu sehen, wie genau und scheinbar mühelos sie das Papier gefaltet und mit der Schere zugeschnitten hat. Sie konnte es auf Anhieb, ohne es jemals zuvor geübt zu haben. Während sie im Tun war, sagte ich kein Wort, sondern fing nur mit der Kamera ihren Gesichtsausdruck ein. Ihr Blick wirkte nach innen gerichtet, sie sah erfüllt und glücklich aus, denn sie hatte selbst herausgefunden, wie das Falten und das Schneiden funktionieren. Es war für sie eine Meisterleistung.

Gleich am nächsten Tag bastelte sie zwei Osterhasen aus leeren Klopapierrollen. Wieder das gleiche Phänomen. Diesmal schnitt sie nicht nur gerade Linien, sondern auch kurvige Hasenohren aus. Das Schneiden mit der Schere ist eine neu erworbene Fertigkeit, auf die sie nun jederzeit zurückgreifen kann. Der richtige Moment dafür war ganz von selbst gekommen. Das gibt nicht nur Elisa ein schönes Gefühl, sondern auch mir als Beobachterin. Ich freue mich mit über dieses Wunder, das ich beim selbstbestimmten Lernen immer wieder erlebe.

Wir alle kennen diese Augenblicke, in denen wir tief eintauchen in unsere Tätigkeit und erst nach einer gewissen Zeit wieder auftauchen, wenn das Werk zu unserer Zufriedenheit gelungen ist. Es ist ein von innen gesteuerter Schaffensprozess, der uns glücklich macht. Wichtig dabei ist, dass wir uns freiwillig dazu entschlossen haben. Niemand könnte jemals eine solche Konzentration und Ausdauer aufbringen, wenn er zu etwas gezwungen wird.

Gleich nach Elisa durfte ich selbst auch diese Erfahrung machen, denn ich hatte große Freude beim Zusammenschneiden der Videos. Als ich mit dieser ungewohnten Tätigkeit fertig war, fühlte ich mich satt und zufrieden. Ein sehr schöner Zustand, der hoch ansteckend ist! Oft lassen sich nämlich auch Elisas Geschwister dadurch zu eigenen Projekten inspirieren, und das kommt der ganzen Familie zugute, besonders jetzt, wo wir alle so eng beieinander sind.

Ich wünsche mir, dass sich Eltern, die vielleicht gerade unter Druck stehen, etwas entspannen, wenn sie meinen Beitrag lesen. Ich wünsche ihnen, dass sie die Zeit mit ihren Kindern genießen können. Wir Eltern dürfen Eltern bleiben. Wir müssen weder zu Pädagogen noch zu Spielkameraden werden. Es reicht völlig aus, wenn wir alle den Dingen nachgehen, die uns Freude bereiten, und uns dabei gegenseitig inspirieren. Das macht nicht nur glücklich, sondern nährt auch die Eltern-Kind-Beziehung.

Keine Sorge, wenn sich scheinbar nichts tut! Sehr Vieles passiert im Stillen und wird erst viel später sichtbar. Lernen und Entwicklung finden jeden Augenblick statt. Darum ist es besonders wichtig, immer wieder ins Vertrauen zu gehen und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Alles zu seiner Zeit!

Alexandra

P.S: Da sich Newsletter nicht gut weiterleiten lassen, hier ein Link, hinter welchem die Scholé News seit Längerem in Beitragsform bereitgestellt werden: http://gaia-energy.org/tag/schole/

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