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Scholé-Nachrichten März 2021

Schole-Titelbild

Auf einem Pflanzenstengel bewegt sich eine Raupe langsam voran.

Sie ist schwer beschäftigt. Ihre Kiefer zermahlen ein Blatt nach dem anderen, ihre Verdauungsorgane arbeiten ohne Pause. Sie muss rasch dicker und größer werden, ihr angeborener Instinkt treibt sie zum Weiterwachsen an. Ab und zu riskiert sie einen Blick auf die Konkurrenz, auf die vielen Artgenossinen vor, neben und hinter ihr, mit denen sie Tag für Tag um die Wette frisst.

Was mag die Raupe wohl empfinden, wenn ihr Blick zufällig auf den bunten Schmetterling fällt, der hoch über ihr durch die Luft segelt? Ob sie eine Ahnung hat, dass dieses geflügelte Wesen, das rein gar nichts mit ihr gemeinsam zu haben scheint, auch einmal eine Raupe war? Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich wird sie von ihrer eigenen Entwicklung überrascht, wenn ihr die nahrhaften Blätter auf einmal nicht mehr schmecken. Plötzlich verspürt sie den unerklärlichen Drang, ihren schwer und plump gewordenen Körper in eine feste Hülle aus selbst erzeugten Seidenfäden einzuspinnen. Und in diesem Kokon, der sie vor der Außenwelt schützt, vollzieht sich im Verlauf der nächsten Wochen oder Monate ein unfassbares Wunder.

Eine Körperzelle nach der anderen beginnt sich aufzulösen und umzubilden. Das Immunsystem der Raupe greift die neu entstandenen Imago-Zellen an, weil es sie als feindliche Eindringlinge identifiziert. Doch allzu lange kann sich die Larve ihrer Verwandlung nicht widersetzen. Ihr Immunsystem ist irgendwann überfordert, denn mehr und mehr Körperzellen wechseln ihre Gestalt, bis schließlich der Umschlagpunkt erreicht ist: Von einem Moment auf den anderen fühlt sich das Lebewesen in dem Kokon nicht länger als sterbende Raupe, sondern als werdender Schmetterling. Ab diesem Moment erkennt es seine Abwehrmechanismen als Selbstsabotage und beteiligt sich aktiv an dem geheimnisvollen Prozess der Neuwerdung, an dessen Ende es sich als farbenfroh schillernder Schmetterling erstmals in die Lüfte erheben wird.

 Viele Milliarden Mal vollzieht sich dieses Wunder Jahr für Jahr in fast allen Regionen der Erde. Ist die Metamorphose der Schmetterlingsraupe nicht ein großartiges Sinnbild sowohl der Bewusstseinsentwicklung jedes einzelnen Menschen als auch der allmählichen Evolution der Gesellschaft?

Schmetterlinge lieben den süßen Nektar der Blüten, manche könnte man auch als Lichtesser bezeichnen, weil sie gar nichts zu sich nehmen. Einzeln oder in Schwärmen fliegen sie frei umher und sehen die Vielfalt der Welt aus der Vogelperspektive. Größere Zusammenhänge zu erkennen, fällt ihnen also ganz leicht.

Das Gesichtsfeld der Raupen hingegen ist äußerst beschränkt. Sie sehen nur, was sich unmittelbar vor oder neben ihnen befindet und interessieren sich ausschließlich fürs Fressen und Weiterwachsen. Flugfähige Lebewesen machen ihnen instinktiv Angst. Schließlich müssen sie jederzeit damit rechnen, dass es sich um hungrige Vögel oder Raubinsekten handelt, die es auf sie abgesehen haben. Die anderen Raupen in ihrem Umfeld sind zwar ihre Geschwister, zugleich aber immer auch Nahrungskonkurrenten, weshalb man sie misstrauisch im Auge behalten muss.

Wenn mich Entsetzen und Verzweiflung erfassen angesichts der Ausbreitung von Angst, Tod und Zerstörung, die wir gerade miterleben, tröstet mich die wahre Geschichte von der Raupe und dem Schmetterling. Sie erinnert mich daran, dass ich Selbstsabotage betreibe, indem ich mich gegen einen Prozess auflehne, dessen Ausgang bereits feststeht. Denn wie die meisten Menschen, die sich eine Raupenwelt des grenzenlosen Wachstums, der gnadenlosen Konkurrenz und des ungebremsten Konsums wahrlich nicht zurück wünschen, weiß ich tief in meinem Inneren, dass eine viel schönere und lebenswertere Schmetterlingswelt vor uns liegt, auch wenn wir sie uns noch nicht vorstellen können.

Wenn ich mich durch Schreckensmeldungen oder besonders aufregende und interessante Artikel im Internet aus der Ruhe bringen lasse, wenn ich schimpfe und streite, statt bei mir zu bleiben, dann fallen mir die Imago-Zellen ein, die vom Immunsystem der Raupe attackiert werden. Gelingt es mir aber, so präsent zu sein, dass ich klar wahrnehmen kann, wann ich schweigen sollte und wann Handeln angesagt ist, dann spüre ich, wie sich friedfertiges Schmetterlingsbewusstsein in mir auszubreiten beginnt.

Packt mich der Zorn, weil ich es nicht fassen kann, dass opportunistische und gewissenlose Wissenschaftler, Ärzte, Politiker oder Journalisten sich so erfolgreich als Wohltäter und Beschützer in Szene setzen können, versuche ich sie mir als borstige Raupen vorzustellen und denke mir:

“Fresst nur weiter! Ihr werdet staunen, was euch bevorsteht, wenn ihr erst richtig groß und fett geworden seid!”

Muss ich mit ansehen, dass Menschen verfolgt werden, die sich für das Wohl der Allgemeinheit einsetzen und dafür große persönliche Opfer bringen, versuche ich mich mit dem Gedanken zu trösten, dass sie bereits in die letzte Verwandlungsphase eingetreten sind und sich nur noch von der Puppenhülle befreien müssen…

Die Kinder der Neuen Zeit scheinen nicht nur die Raupenphase, sondern auch die Verpuppungsphase schon hinter sich zu haben. Sie lassen sich weder in Angst noch in Zorn oder Sorge versetzen, denn ihr mehrdimensionales Bewusstsein erlaubt es ihnen, sich in andere Menschen einzufühlen, ohne sie zu bewerten. Sie folgen unbeirrbar ihrem Seelenweg, sie leben im Einklang mit sich selbst und mit der Natur, sie verbreiten Freude und Licht – und es kommen immer mehr von ihnen zur Welt. Wollen wir das nicht als gutes Omen dafür deuten, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis der kollektive Umschlag vom Raupenbewusstsein zum Schmetterlingsbewusstsein sich endgültig vollzogen haben wird?

Hoffnungsvolle, bunt schillernde Frühlingsgrüße
Alexandra

lernen-ist-wie-atmen-cover-ebook

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Gemeinsam mit zwei Freilernermüttern, Gudrun Totschnig und Sigrid Haubenberger, haben wir es im Selbstverlag herausgegeben und nun auch als eBook bereitgestellt.

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