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Scholé-Nachrichten Juli 2019

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Liebe Scholé-Freunde, diesmal bitte ich euch alle um euer Engagement und eure Hilfe:

Ich habe das Gefühl, dass es an der Zeit wäre, den engen Kreis der Gleichgesinnten zu überschreiten und bei aufgeschlossenen Menschen, die sich für Bildungsthemen interessieren, um Solidarität mit Homeschoolern und Freilernern zu werben! Sie benötigen dringend mentale Unterstützung, denn die Massenmedien machen mobil gegen alles, was an den Grundfesten des derzeitigen neoliberalen Gesellschaftssystems rüttelt, auf das die Regelschule unsere Kinder ja bestmöglich vorbereiten soll.

Bewährte Mittel zur Diffamierung unliebsamer Minderheiten sind Begriffsverwirrung und vorsätzliche Beschränkung auf die immer gleichen negativen Argumente, im Fachjargon Framing genannt. Sie sollen gutgläubige Medienkonsumenten, die sich kein eigenes Bild von der Sache machen konnten, davon abschrecken, sich mit dem Thema überhaupt zu beschäftigen: Wenn es um außerschulische Bildungswege geht, wird jeder Bericht in den Massenmedien von Vertretern einer kirchlichen oder staatlichen Sektenberatungsstelle kommentiert, was natürlich den Anschein erweckt, als ginge es um eine gefährliche Sekte. Um diesen negativen Eindruck zu verstärken, werden außerdem stets Expertinnen eingeladen, die ihrer Sorge Ausdruck verleihen, dass unbeschulte Kinder Staatsverweigerern und anderen religiösen oder ideologischen Extremisten schutzlos ausgeliefert wären, dass sie als Asoziale in einer geschlossenen Blase aufwachsen würden und am Arbeitsmarkt keine Chancen hätten… Leider ist diese Abschreckungskampagne äußerst erfolgreich!

Deshalb erscheint es mir so wichtig, das gezielte Framing dahinter bewusst zu machen, und die vorsätzlich oder aus reiner Denkfaulheit verwirrten Begriffe zu klären, damit ein konstruktives Gespräch über das Thema – sei es im privaten oder im behördlichen Rahmen – überhaupt möglich ist: WORÜBER SPRECHEN WIR?

Ordentliche Eltern (die überwiegende Mehrheit)

  • Finden Frühförderung wichtig und notwendig;
  • Fordern Einrichtungen, wo ihre Kinder möglichst früh intellektuell gefördert und in der Gruppe sozialisiert werden;
  • Kaufen ihren Kindern pädagogisch wertvolles Spielzeug;
  • Bringen sie in Schwimm-, Mal-, Sprach- und Musikkurse;
  • Versuchen den Umgang mit Handy und Computer altersgemäß zu regeln;
  • Wenden sich bei Erziehungsproblemen an Expertinnen und Experten;

Außerordentlich gute Eltern (eine wachsende Minderheit),

  • Respektieren ihre Kinder von Geburt an als einzigartige Menschen;
  • Lassen sich von den individuellen Bedürfnissen und Interessen jeder ihrer Töchter oder Söhne leiten und versuchen sich ihre Zeit danach einzuteilen;
  • Bemühen sich um gesunde Ernährung und bieten ihnen möglichst viel Nähe, Wärme, emotionale Stabilität und persönliche Zuwendung;
  • Ermöglichen ihnen regelmäßig Bewegung, Naturerfahrungen und freies Spiel mit anderen oder alleine;
  • Warten den Zeitpunkt ab, zu dem sie einen Kindergarten / eine Schule besuchen wollen – oder auch nicht.
  • Überlassen es den Kindern selbst, wann sie lesen, schreiben, rechnen lernen, ob bzw. welche Bücher sie lesen und welche Kurse sie besuchen wollen;
  • Halten ihre Söhne und Töchter möglichst lange fern von Ablenkung und Zerstreuung durch elektronische Medien;
  • Ermutigen sie, sich ihrer Gefühle bewusst zu werden und menschliche Verhaltensmuster zu durchschauen;
  • Entwickeln eine so innige Beziehung zu ihnen, dass sie genau spüren können, woran es liegt, wenn ihr Kind Probleme hat.

Ordentliche LehrerInnen

  • Lieben ihren Beruf;
  • Bemühen sich, gerecht zu sein und alle SchülerInnen gleich zu behandeln;
  • Tadeln soviel wie nötig und loben soviel wie möglich;
  • Halten in ihren Klassen Disziplin und vergeben aus Überzeugung Noten, damit jedes Kind weiß, wo es steht;
  • Versuchen gewissenhaft die vorgegebenen Lehrpläne zu erfüllen;
  • Sind überzeugt, dass es an ihren pädagogischen Fähigkeiten und ihren Unterrichtsmethoden liegt, wieviel ihre SchülerInnen lernen;
  • Stimulieren deren Ehrgeiz, damit sie höhere Leistungen erbringen und fit werden für den beruflichen Wettbewerb;
  • Unterlassen alles, was nicht rechtlich abgesichert ist, um keine Probleme zu bekommen.
  • Können sich im Notfall immer darauf berufen, gewissenhaft alle Vorschriften eingehalten zu haben.

Außerordentlich gute LehrerInnen

  • Lieben Menschen;
  • Bemühen sich, den Bedürfnissen jeder/jedes Einzelnen gerecht zu werden, so gut es geht;
  • Verzichten bewusst auf Vergleiche und Bewertungen und spielen, wenn sie Noten vergeben müssen, deren Bedeutung herab;
  • Tun, was sie können, damit sich alle wohl fühlen = das Gefühl haben, so wie sie sind vollkommen ok zu sein;
  • Wissen, dass BEZIEHUNG der Schlüssel zur Potenzialentfaltung ist – Beziehung zu sich selbst, zu Eltern, Lehrpersonen, MitschülerInnen, der Umwelt und den Themen, mit denen sich die Kinder befassen;
  • Leisten deshalb weit mehr Beziehungs- als Unterrichtsarbeit;
  • Betrachten die individuelle Potenzialentfaltung als vorrangiges Ziel, auch wenn das ein Abweichen von den Lehrplänen erfordert;
  • Setzen auf Selbstbestimmung und Selbstverantwortung ihrer SchülerInnen, indem sie diesen ihre individuellen Stärken bewusst machen;
  • Nehmen Unannehmlichkeiten und Auseinandersetzungen in Kauf, um individuelle Lösungen zu finden, die in den Regelwerken nicht vorgesehen sind;
  • Geraten deshalb manchmal in große Schwierigkeiten und sind auf Vorgesetzte angewiesen, die ihre „Alleingänge“ decken.

Außerordentlich schlechte Lehrpersonen / außerordentlich schlechte Eltern

  • Leben ihre persönlichen Machtgelüste oder sexuellen Perversionen aus;
  • Sind in ihrer Kindheit gewöhnlich selbst Opfer gewesen;
  • Werden von Ängsten verfolgt, die sie sich nicht eingestehen, sondern hinter einer Maske verbergen;
  • Haben sich nicht unter Kontrolle, wechseln zwischen Minderwertigkeits- und Überwertigkeitsgefühlen;
  • Beschämen ihre SchülerInnen (ihre Söhne und Töchter), bevorzugen Einzelne, schaffen Abhängigkeitsverhältnisse;
  • Beeinflussen ihre Schutzbefohlenen in ideologischer oder religiöser Richtung;
  • Manipulieren ihre Umwelt durch Wahrheitsverdrehungen, Unterstellungen, Beschuldigungen und Lügen;
  • Sind deshalb sehr schwer zu fassen und können ungeachtet aller Beschwerden manchmal Generationen von SchülerInnen (ihre eigenen und manchmal auch fremde Kinder und Jugendliche) schädigen.

Die Zielpersonen des Bildungssystems

  1. Es gibt leider nicht wenige junge Menschen, denen es in jeder einigermaßen guten institutionellen Einrichtung (Kinderkrippe, Kindergarten, Schule) besser geht als in ihren gewalttätigen, alkoholkranken, psychisch beeinträchtigten oder weitgehend desinteressierten Herkunftsfamilien. Sie profitieren von behördlichen Maßnahmen zur Durchsetzung der Schulpflicht. Viele von ihnen sind psychisch so beeinträchtigt oder so schwer traumatisiert, dass sie viel mehr persönliche Betreuung brauchen würden, als sie heute bekommen. Zu diesen Kindern zählen auch solche, die von Fanatikern zu Hause eingesperrt werden: Zwangsbeschulung wäre für sie bestimmt keine ausreichende Hilfsmaßnahme!
  2. Es gibt zum Glück viele junge Menschen, die vielleicht schon als Kleinkinder lieber an der Hand eines Erwachsenen gingen und im Kindergarten gerne nach Anleitung bastelten. In der Schule genießen sie das regelmäßige Zusammensein mit Gleichaltrigen und beschäftigen sich bereitwillig mit Fragen und Aufgaben, die ihnen von Lehrpersonen gestellt werden.
    Sind diese Lehrpersonen freundliche und wohlwollende Menschen und auch die MitschülerInnen einigermaßen gute KameradInnen, verbringen diese Mädchen und Jungen eine glückliche Schulzeit. Treffen sie auf schlechte LehrerInnen oder werden von den SchulkameradInnen gemobbt, genügt unter Umständen ein Klassen- oder Schulwechsel. Dann hängt es von den Eltern ab, wieviel Verständnis für ihre Kinder sie aufbringen bzw. wie groß ihr finanzieller Spielraum ist.
  3. Es gibt aber auch junge Menschen, die von klein auf sehr viel Freiheit und/oder sehr viel Ruhe brauchen. Auch durch noch so gut gemeinte Anleitungen fühlen sie sich oft irritiert, weil sie geborene Experimentierer und Selberdenker sind. Den Aufenthalt unter vielen Menschen (wie in einer Klasse oder Kindergartengruppe) empfinden sie als belastend, sogar dann, wenn niemand sie schlecht behandelt.

Mit solchen Kindern sind schon die eigenen Eltern oft von Anfang an überfordert, da sie auf herkömmliche Erziehungsmethoden nicht ansprechen.
Auch im Kindergarten erregen sie häufig Anstoß, weil sie sich schwer einordnen lassen und dadurch Probleme machen.
In der Schule fallen sie als ständig kranke Mauerblümchen oder als Klassenkasperln, als freche Besserwisser oder als Mobbingopfer, irgendwann sogar als Schulverweigerer oder Schulabbrecher unangenehm auf.
Die meisten Experten tendieren leider immer noch dazu, ihre Verhaltensweisen zu pathologisieren und mit Fachbegriffen wie krankhafte Schüchternheit, Hypersensibilität, Allergiker, ADHS, Autismus oder Asperger Syndrom zu beschreiben.
Die überwiegende Mehrheit der betroffenen Eltern übernimmt diese Sichtweise und lässt sich verschiedenste Behandlungen und Verhaltenstherapien dagegen empfehlen.

Einige Eltern tun das nicht. Sie wehren sich dagegen, ihre sensiblen und intelligenten Töchter und Söhne als krank zu betrachten, nur weil sie sich den Anforderungen des Regelschulsystems nicht anpassen wollen oder können. Je nach ihrer persönlichen, sozialen und finanziellen Situation suchen die Eltern deshalb nach alternativen Kindergruppen / Schulen, Freien Schulen oder entschließen sich zum Häuslichen Unterricht. Wenn die (von Schulerfahrungen teilweise schwer traumatisierten) jungen Menschen in Prüfungssituationen panische Angst zeigen oder schon in jungen Jahren so genau spüren, was für sie wichtig ist, dass sie mit Selbstbildungsaktivitäten den ganzen Tag beschäftigt sind, lassen sich einige wenige mutige Eltern sogar auf das Abenteuer des prüfungsfreien Weges ein und überschreiten damit bewusst den Rahmen des österreichischen Gesetzes (so wie das die ersten Frauenrechtlerinnen vor 100 Jahren zum Glück auch getan haben).

Obwohl sie eigentlich dem Idealbild guter Eltern entsprechen, stoßen diese Menschen gewöhnlich auf Ablehnung und Misstrauen bei Behördenvertretern, die den Begriff Kindeswohl nach rein formaljuristischen Kriterien auslegen und die Beschäftigung mit wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Vorteile freier, informeller Bildungswege verweigern.

So kam es zu der absurden Situation, dass sich ausgerechnet besonders engagierte und respektvolle Eltern vor den Behörden ständig rechtfertigen müssen. Sie finanzieren die Bildungsausgaben für ihre Söhne und Töchter aus der eigenen Tasche und erhalten weder finanzielle noch pädagogische Unterstützung. Trotzdem wird von SchülerInnen im HU bei Externistenprüfungen tendenziell mehr verlangt als von denen, die auf Kosten der Steuerzahler unterrichtet werden! Obwohl im österreichische Grundgesetz das Recht auf häuslichen Unterricht ohne Einschränkungen verankert ist, werden Externisten in mehrfacher Hinsicht schlechter gestellt, was dem Gleichheitsgrundsatz widerspricht!

Noch schwerer haben es logischer Weise diejenigen, die keine Externistenprüfungen machen und damit gegen geltendes österreichisches Recht verstoßen. Ihre Bemühungen, den Behörden die Vorteile von SELFDIRECTED LEARNING näher zu bringen, das ja in vielen anderen Ländern völlig legal ist, stießen bisher leider auf taube Ohren oder wurden engagierten Eltern sogar als staatsfeindliche ideologische Aktivitäten zur Last gelegt.

Ähnlich schwierige Erfahrungen mussten anfangs alle PionierInnen machen. Sie geben jedoch die Hoffnung nicht auf, dass ihre Leistungen für die Gemeinschaft früher oder später als solche anerkannt werden! Die Pionierinnen und Pioniere selbstbestimmter Bildungswege sind derzeit nämlich die einzigen, die das Schlagwort von der individuellen Potenzialentfaltung, das schon seit längerem durch die gesamte pädagogische Szene geistert, tatsächlich ernst nehmen und kompromisslos in die Tat umsetzen. Sie stehen also NICHT IM GEGENSATZ zur Schule, sondern sollten als VORREITER anerkannt werden, deren Erkenntnisse für alle wichtig sind und hoffentlich bald jedem Kind zugute kommen werden…

Bitte verbreitet diese hoffnungsvolle Botschaft!

Meerblaue Grüße aus der Ägäis
Alexandra

P.S: Da sich Newsletter nicht gut weiterleiten lassen, hier ein Link, hinter welchem die Scholé News seit Längerem in Beitragsform bereitgestellt werden: http://gaia-energy.org/tag/schole/

Buchtipp – “Lernen ist wie Atmen”


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