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UNABHÄNGIGKEIT UND FREIHEIT

Scholé-Nachrichten April 2020

Schole-Titelbild

Noch immer sind alle Kinder im staatlich verordneten Heimunterricht.

Mit freiwilligem Homeschooling oder gar Freilernen hat das nichts zu tun. Die derzeitige Situation entspricht eher dem bedrohlichen Zerrbild des häuslichen Unterrichts, das die Medien so gerne verbreiten.

Weggesperrte Kinder, die keine Freunde sehen dürfen, keine interessanten Dinge mit anderen unternehmen, sondern tagein tagaus ihren Eltern ausgeliefert sind, die ihnen den Schulstoff beibringen müssen. Ich lese und höre von Familien, die schon am Limit sind, was mich nicht wundert. Nicht wenige Kinder und Jugendliche sind vom Internet nicht mehr wegzubringen, das in Corona-Zeiten ihr einziges Fenster zur Welt ist. Es gibt auch Familien, denen es gelingt, dem engen Beisammensein trotz aller Einschränkungen Positives abzugewinnen. Sie bemühen sich, aufeinander Rücksicht zu nehmen und entdecken staunend, wieviel kreatives Potenzial jede/r Einzelne plötzlich entfaltet, wenn die gewohnten Ablenkungen nicht mehr verfügbar sind.

Unmittelbar vor dem Ausbruch der Corona-Krise hat ein österreichisches Gericht einem Elternpaar die Obsorge für ihre frei lernenden Kinder zur Gänze entzogen, obwohl aus den psychologischen und pädagogischen Gutachten klar hervorging, dass keinerlei Gefährdung des Kindeswohls besteht. Das Urteil soll explizit der Abschreckung anderer dienen. Woher kommt diese vehemente Ablehnung des freien Lernens, obwohl es doch allen Erkenntnissen der modernen Lernpsychologie weitaus besser entspricht als das sture Lehrstoffpauken, das in der Regelschule nach wie vor üblich ist? Als einzige Begründung für sein Urteil nennt der Oberste Gerichtshof die Befürchtung, dass frei lernende Kinder im späteren Berufsleben schwere Nachteile zu erwarten hätten. Da wissenschaftliche Studien über die Berufskarrieren ehemaliger Freilerner und Homeschooler, die den Richtern vorlagen, ohne Ausnahme das exakte Gegenteil beweisen, klingt dieses Argument wenig glaubhaft. Was soll durch eine derart drakonische Maßnahme also tatsächlich verhindert werden? Oder, anders ausgedrückt, um wessen Wohl geht es wirklich?

Die Realität gibt darauf eine klare Antwort: Es geht um das Wohl der Autoritäten. Von Kind an werden wir darauf trainiert, uns einem fremden, “höheren” Willen unterzuordnen. Aufstehen, wenn der Wecker läutet, nicht wenn wir ausgeschlafen sind. Lernen, was auf dem Lehrplan steht, nicht was uns interessiert. Fragen beantworten, die uns gestellt werden, nicht selbst Fragen stellen. Vorgegebene Inhalte wiederkäuen, nicht nach neuen Lösungen suchen. Glauben, was die Autoritäten uns erzählen. Tun, was sie uns sagen. Ein schlechtes Gewissen haben, wenn wir anzweifeln, was die Mehrheit für richtig hält. Regelverstöße von MitschülerInnen / MitbürgerInnen den Autoritäten melden.

In der derzeitigen Krisensituation treten diese angelernten Verhaltensweisen besonders deutlich zutage. Die Autoritäten können Gehorsam einfordern, ohne ihre drastischen Maßnahmen hieb- und stichfest begründen zu müssen: Die da oben werden schon wissen, was gut für uns ist! Statistiken, Fakten, Halbwahrheiten, Vermutungen, Hochrechnungen, Meinungen, Messdaten – das alles lassen wir uns, bunt durcheinander gewürfelt, von den Medien genauso bereitwillig servieren wie von den Politikern. Wer fordert schon eine klare Unterscheidung zwischen Fakten und deren Interpretation? Wer fragt schon nach Zusammenhängen? Wir sind doch keine Experten! Seit Schulzeiten hat man uns eingetrichtert, dass die Welt in lauter fein säuberlich getrennte Fächer eingeteilt ist, über die nur die jeweiligen ExpertInnen Bescheid wissen. Also begnügen wir uns mit Spott oder spitzfindigen Debatten über die Wortwahl, den Tonfall, die Frisur oder die Kleidung von Autoritätspersonen. Oder wir ergreifen hoch emotional Partei für oder gegen einzelne Machthaber, erklären den einen zum potentiellen Weltretter, den anderen zum Teufel in Menschengestalt, um den unerträglichen Druck loszuwerden, den Angst und Hilflosigkeit in uns hervorgerufen haben…

Nur eine kleine Minderheit widersetzt sich dem allgemeinen Verhaltenskodex. Diese aufmüpfigen Typen finden es nicht beruhigend, dass alle großen Medien mehr oder minder das gleiche berichten und überall dieselben Experten zu Wort kommen. Gehörten divergierende Meinungen nicht einmal zu den Grundmerkmalen der Demokratie? In Zeiten wie diesen werden Abweichungen von den amtlich approbierten Meldungen als gefährliche Fake News abgestempelt und BürgerInnen, die sich lautstark für die Einhaltung des Grundgesetzes einsetzen, müssen damit rechnen, wie Kriminelle behandelt zu werden.

Als unverbesserlicher Freigeist habe ich mir in den vergangenen Wochen den Luxus geleistet, sehr viele verschiedene Meinungen und Denkansätze aus diversen Informationsquellen zu vergleichen, um mir ein möglichst differenziertes Bild der Lage zu machen. Die Angst vor Covid 19 ist dabei recht bald verblasst. Meine Sorge um Demokratie und Meinungsfreiheit ist parallel dazu aber so groß geworden, dass ich versuchen musste, ihr nach oben – also Richtung “Corona-Chakra”! – auf die Visionsebene auszuweichen. Und aus der Vogelperspektive betrachtet, sind im Vordergrund zwar die drohenden Schatten einer digitalen Diktatur zu erkennen, doch dahinter erstrahlt die Morgenröte einer freien Welt des Miteinanders und der Ehrfurcht vor der Natur – der Natur im Außen und der Natur im Inneren des Menschen, die soviel weiter und reicher ist, als unser anerzogener Untertanengeist sich träumen lässt…

Bitte lasst euch keine Angst einjagen! Lasst euch nicht weismachen, dass Gehorsam, Wettbewerb und globale Kontrolle alternativlos seien! Wacht auf und setzt euch aktiv für die Verwirklichung eurer lichtesten Visionen von einer freien und gerechteren Welt ein! Ob und wann sie Wirklichkeit wird, verantwortet jede/r Einzelne von uns mit – durch ihre/seine individuelle Entscheidung für Angst oder Liebe!

In dem Gefühl, “von guten Mächten wunderbar geborgen zu sein”, wie der Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer wenige Stunden vor seiner Hinrichtung und wenige Wochen vor dem Ende des Dritten Reiches schrieb, grüße ich euch herzlich

Alexandra

P.S: Da sich Newsletter nicht gut weiterleiten lassen, hier ein Link, hinter welchem die Scholé News seit Längerem in Beitragsform bereitgestellt werden: http://gaia-energy.org/tag/schole/

Buchtipp – “Lernen ist wie Atmen”


Gemeinsam mit zwei Freilernermüttern, Gudrun Totschnig und Sigrid Haubenberger, haben wir es im Selbstverlag herausgegeben.

Wir alle haben das Gefühl, dass die Zeit reif ist für diese vielstimmige Darstellung, wie Freilernen in der Praxis gelebt werden kann. Lass Dich durch die Leseprobe inspirieren oder bestelle am GAIA Marktplatz Dein eigenes Exemplar mit 10% Preisvorteil für Mitglieder.

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