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Scholé-Nachrichten März 2019

Schole-Titelbild

Liebe Scholé-Freunde, bei unserem letzten Bildungsfreiheitstreffen am 25.3. haben wir wieder eine verdeckte Aufstellung gemacht.

Die BILDUNGSFREIHEIT hatte zu Beginn unserer Aufstellung die Augen geschlossen und war zunächst ganz damit beschäftigt, sich zu erden und zu spüren. Dann lud sie die BEDÜRFNISSE ein, es ihr gleich zu tun und ebenfalls den Kontakt zur Natur zu suchen. Beide legten sich auf den Boden und genossen das beglückende Gefühl inniger Verbundenheit mit der Erde. Gesättigt von dieser Erfahrung standen BILDUNGSFREIHEIT und BEDÜRFNISSE dann auf, lächelten einander an und begannen sich ausgelassen tanzend im Kreis zu drehen. Dem kleinen KIND, das ihnen aufmerksam zugesehen hatte, bereitete das sichtlich größtes Vergnügen, es strahlte übers ganze Gesicht!

Ich habe aus dieser Aufstellung geschlossen, dass wir uns in allererster Linie auf die existentiellen menschlichen Grundbedürfnisse konzentrieren müssen. Es geht also nicht um hochfliegende Ideen über das unentdeckte Genie in jedem Kind, sondern vielmehr – ganz konkret und erdgebunden – um so einfache Dinge wie gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf, Berücksichtigung von Biorhythmus und Bewegungsdrang, emotionale Geborgenheit, sichere Bindungen und andere vitale Bedürfnisse, je nach Alter, Geschlecht, angeborener Veranlagung und momentaner körperlicher, seelischer und geistiger Verfassung.

Ich kenne niemanden, der bestreiten würde, dass all das für jeden Menschen wichtig und gerade für Heranwachsende lebensnotwendig ist. Wer aber würde mit einem klaren JA antworten, wenn er gefragt wird, ob die Institutionen, denen wir die nächste Generation anvertrauen, diese lebensnotwendigen Grundvoraussetzungen auch nur annähernd erfüllen?! Seit Jahrzehnten wurden und werden unzählige fruchtlose Diskussionen darüber geführt, wie die Lernerfolge von Schülern in Mathematik, Deutsch oder Naturwissenschaften gesteigert werden könnten. Man orientiert sich an internationalen PISA-Tests, debattiert über Ganztagsschulen, eine bessere Lehrerausbildung, den verstärkten Einsatz von Computern oder gar Robotern, die Einführung von noch mehr Leitstungstests und hundert andere Nebensächlichkeiten. Die wirklich entscheidenden Fragen hat man darüber aus den Augen verloren:

Wer von uns wäre in der Lage, erfolgreich Mathematik, Deutsch oder Naturwissenschaften zu lernen, solange wir Hunger oder Durst haben oder ungesundes Essen uns im Magen liegt; solange wir schlecht oder nicht lange genug geschlafen haben; solange wir uns einsam und verlassen fühlen, an Ängsten leiden, gemobbt oder übersehen werden, uns nicht bewegen dürfen, unseren Kummer, unsere Neugier, unsere Phantasie viele Stunden täglich unterdrücken müssen?? Wer von uns würde es unbeschadet überstehen, ständig kontrolliert, bewertet und beurteilt zu werden, ohne sich dagegen wehren zu können? Wer von uns wäre dem Stress gewachsen, unter dem Jugendliche stehen, die sich von früh bis abends auf Dutzende Tests, Schularbeiten und Prüfungen vorbereiten müssen? Wer von uns wäre stark genug, ohne Ausschaltung seiner natürlichen Gefühle da durchzukommen? Und wer von uns würde NICHT der Versuchung erliegen, in jeder freien Minute in virtuelle Welten zu entfliehen, wo wir uns freiwillig mit Freunden vernetzen, heldenhafte Abenteuer bestehen, böse Feinde besiegen oder neue Welten erbauen können? Wo sonst hätten wir denn die Chance, endlich einmal selbst zu bestimmen, was wir tun wollen…?

Ein Unterrichtssystem, das die Grundbedürfnisse der Menschen ignoriert, treibt sie in die Sucht nach Ersatzbedürfnissen wie Konsum, Unterhaltung, Rauschmittel, Ruhm und Geld. Weil wir diese Erfahrung in der einen oder anderen Form alle einmal durchgemacht haben, halten die meisten von uns sie immer noch für „normal“ und meinen, sie sei auch der nächsten Generation zumutbar. Wer kommt schon auf die Idee, das System selbst zu hinterfragen? Genauso, wie wir es in der Schule gelernt haben, lassen wir uns die Fragen oder Themen, mit denen wir uns beschäftigen sollen, weiterhin vorgeben – nun eben von den Medien als unseren neuen Schulmeistern. Eifrig streiten wir uns über künstlich hochgespielte Probleme, zum Beispiel die richtige Form des Deutschunterrichts für Ausländerkinder, und unterdrücken dabei wie gewohnt unser natürliches Gefühl, unsere innere Stimme, die uns klar sagen würde: „Kinder mit traumatischen Fluchterfahrungen brauchen Zuwendung, Ruhe, Heilung und Geborgenheit. Kümmern wir uns doch um die Befriedigung ihrer existenziellen Grundbedürfnisse, dann werden sie freudig und wie von selbst die Sprache ihrer Retter erlernen!“

Ich bin überzeugt, dass es uns weder am nötigen Geld fehlt noch an Menschen, die genau spüren, was notwendig wäre und das auch gerne tun würden. Was uns als Gesellschaft jedoch lähmt, ist dieselbe panische Angst vor Veränderung und Kontrollverlust, die jede/r Einzelne durchmacht, wenn er oder sie beschließt, sich von überlebten alten Mustern zu trennen, um zu sich selbst und seinen wahren Bedürfnissen zurück zu finden. Jede/r von uns, die/der diesen Heilungsweg selbst durchgemacht hat, weiß nur zu gut, wie schwer es ist, alte Gewohnheiten aufzugeben, auch wenn man schon  längst erkannt hat, dass sie einem nur noch schaden. Immer wieder schiebt man die Entscheidung auf und ergreift begierig jede noch so dumme Ausrede, um den Sprung ins Unbekannte noch ein wenig  hinauszuzögern. Oft muss sich die Krise so zuspitzen, dass keine andere Wahl mehr bleibt, als den Sprung zu wagen oder unterzugehen…

Auf gesamtgesellschaftlicher Ebene vollzieht sich gerade ein ganz ähnlicher Prozess. Eigentlich wissen inzwischen alle, dass unser Schulsystem – ebenso wie das Wirtschaftssystem, dem es dient – keine Zukunft mehr hat. Aber da keiner weiß, was danach kommt, hält man wider besseres Wissen am alten System fest und beruft sich dabei gerne auf unumstößliche „Sachzwänge“. Vordergründig profitiert der überdimensionale Verwaltungsapparat, dem das österreichische Schulwesen untersteht, von den wachsenden Problemen ja sogar: Das staatliche Bildungsmonopol garantiert – mit oder ohne Leistungsnachweise – einen unaufhaltsam steigenden Zufluss an Steuermitteln. Kein Wunder, dass seine Nutznießer es um jeden Preis erhalten wollen, denn es ernährt ein stetig wachsendes Heer von Bildungsbeamten, Direktoren, Fachlehrern, Begleitlehrern, Schulpsychologen, Kursleitern, Nachhilfelehrern, Privatinstituten, Jugendamtsmitarbeitern usw. Und je schwieriger es wird, die Kinder von heute, die aus verschiedenen Kulturen kommen und sich immer unterschiedlicher entwickeln, an die standardisierten staatlichen Lehrziele heranzuführen, desto mehr neue Posten müssen dafür geschaffen werden!

Zum Glück ist das System keine Maschine, sondern besteht aus lauter lebenden Menschen, die sich den so genannten Sachzwängen nicht unterwerfen müssen. Jede und jeder Einzelne von ihnen hat die Chance, zum Wandel beizutragen, am besten durch Vernetzung mit möglichst vielen anderen, die ebenfalls bereit sind, gegen äußere Widerstände ihrem Herzen zu folgen. Nur so kann die ersehnte Veränderung auf wirklich demokratische Weise von unten allmählich Gestalt annehmen: Durch Lehrerinnen und Lehrer, die Alleingänge riskieren, weil sie herzliche Beziehungen zu ihren Schülerinnen und Schülern aufgebaut haben. Durch Eltern, die das Selbstbestimmungsrecht ihrer Kinder so ernst nehmen, dass sie bereit sind, gegen den Strom zu schwimmen. Durch Beamtinnen und Beamte, die sich nicht als Kontrollore, sondern als Unterstützer der Menschen verstehen, mit denen sie zu tun haben. Und durch die Kinder und Jugendlichen selbst, die sich – hoffentlich nicht nur an den FRIDAYS FOR FUTURE  – aktiv für eine lebenswerte Zukunft einsetzen. Diese lebenswerte Zukunft beginnt mit dem bedingungslosen Respekt vor den grundlegenden Bedürfnissen aller Lebewesen dieser Erde…

Zum Schluss noch eine Vorankündigung und Einladung in den MARKHOF: Das PFINGSTSYMPOSIUM
„Die Kultur des Gemeinsamen“ beginnt dort am Freitag, 7. Juni abends um 18 Uhr und endet am Sonntag, 9. Juni um 13 Uhr. Veranstalter sind der Colearning Wien und die Freie Bildungsstiftung Berlin. Nähere Angaben findet ihr unter www.markhof.wien/pfingstsymposium
mit zukunftsfrohen Grüßen
Alexandra

Buchtipp – “Lernen ist wie Atmen”


Gemeinsam mit zwei Freilernermüttern, Gudrun Totschnig und Sigrid Haubenberger, haben wir es im Selbstverlag herausgegeben.

Wir alle haben das Gefühl, dass die Zeit reif ist für diese vielstimmige Darstellung, wie Freilernen in der Praxis gelebt werden kann. Lass Dich durch die Leseprobe inspirieren oder bestelle am GAIA Marktplatz Dein eigenes Exemplar mit 10% Preisvorteil für Mitglieder.

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