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Windrad-Infraschall unter der Hörschwelle verändert Gehirn – Charité-Studie widerlegt offizielle Entwarnung

Windrad-Infraschall unter der Hörschwelle verändert Gehirn – Charité-Studie widerlegt offizielle Entwarnung
Dr. Peter F. Mayer, tkp.at

Die Behauptung, Infraschall von Windkraftanlagen sei harmlos, solange man ihn nicht höre, gehört zum Standardrepertoire der Windindustrie-Lobby und der Behörden. Wissenschaftliche Belege für Gehirnschäden werden geleugnet.

Die WHO und zahlreiche deutsche Institutionen wiederholen seit Jahren den Satz: Es gebe „keine zuverlässigen Belege“, dass Infraschall unterhalb der Hörschwelle physiologische oder psychologische Wirkungen habe. Eine fMRI-Studie der Charité aus dem Jahr 2017 stellt diese Behauptung grundlegend in Frage. Sie zeigte erstmals mit bildgebenden Verfahren, dass Infraschall nahe der individuellen Hörschwelle messbare Veränderungen der Hirnaktivität hervorruft – und zwar in Regionen, die mit Hörverarbeitung, emotionaler Regulation und autonomer Kontrolle in Verbindung stehen.

Die Untersuchung von Markus Weichenberger und Kollegen mit dem Titel „Altered cortical and subcortical connectivity due to infrasound administered near the hearing threshold – Evidence from fMRI„ (Veränderte kortikale und subkortikale Konnektivität durch Infraschall im Bereich der Hörschwelle – Erkenntnisse aus der fMRT“) wurde am 12. April 2017 in PLoS ONEveröffentlicht*.*

Das Experiment

14 gesunde Probanden wurden in zwei Sitzungen untersucht. Zunächst wurde die individuelle Hörschwelle und die Lautheitswahrnehmung für einen 12-Hz-Infraschallton bestimmt. In der zweiten Sitzung lagen die Teilnehmer im MRT und durchliefen drei Ruhezustands-Messungen (resting-state fMRI):

  • ohne Ton
  • mit einem 12-Hz-Ton knapp unterhalb der individuellen Hörschwelle (near-threshold)
  • mit einem lauteren Ton oberhalb der Hörschwelle, der als „mittel laut“ empfunden wurde (supra-threshold)

Analysiert wurden vor allem die lokale Konnektivität (Regional Homogeneity, ReHo) und die großräumige Netzwerk-Konnektivität (Independent Component Analysis, ICA).

Die Ergebnisse

Bei Stimulation nahe der Hörschwelle zeigte sich eine signifikant erhöhte lokale Konnektivität:

  • im rechten superioren temporalen Gyrus (STG), angrenzend an den primären auditorischen Cortex
  • im anterioren cingulären Cortex (ACC)
  • bei kleineren Clustergrößen auch in der rechten Amygdala

Diese Effekte traten im Vergleich sowohl zur Bedingung ohne Ton als auch zur deutlich hörbaren supra-threshold-Bedingung auf. Die hörbare laute Stimulation hingegen erzeugte keine vergleichbaren signifikanten Aktivierungen.

Zusätzlich zeigten die ICA-Analysen Veränderungen der Netzwerk-Konnektivität: Die rechte Amygdala war im near-threshold-Zustand schwächer mit dem sensomotorischen Netzwerk gekoppelt, während der rechte superiore frontale Gyrus stärker aktiviert war.

Was das bedeutet

Die Autoren schreiben selbst: Dies sei die erste Studie, die nachweise, dass Infraschall nahe der Hörschwelle neuronale Aktivitätsänderungen in mehreren Hirnregionen auslösen könne – darunter Gebiete der auditorischen Verarbeitung sowie Schlüsselregionen der emotionalen und autonomen Kontrolle. Sie spekulieren ausdrücklich, dass eine kontinuierliche Exposition gegenüber (sub-)liminalem Infraschall pathogen wirken könnte.

Genau hier liegt die Brisanz für die Windkraft-Debatte. Windindustrieanlagen erzeugen unhörbaren Infraschall mit Schalldruckpegeln, die in Wohnentfernungen oft im Bereich von typischerweise 60–90 dB je nach Entfernung und Angaben sind.

Die offizielle Position lautet: Was man nicht hört, kann nicht schaden. Die Charité-Studie zeigt das Gegenteil: Gerade der nicht bewusst wahrgenommene Infraschall verändert die Hirnaktivität in Regionen, die mit Stressverarbeitung, emotionaler Bewertung und vegetativen Funktionen verknüpft sind.

Die Amygdala und der ACC spielen zentrale Rollen bei Angst, Stress und der Regulation des autonomen Nervensystems. Eine dauerhafte, unbewusste Stimulation dieser Systeme durch Infraschall aus Windparks könnte erklären, warum Anwohner von Schlafstörungen, Unruhe, Herzrasen, Depressionen oder einem allgemeinen Krankheitsgefühl berichten – auch wenn der Schall objektiv „unhörbar“ ist.

Die politische Dimension

Während die Studie seit 2017 öffentlich zugänglich ist, wird sie in den offiziellen Stellungnahmen von Umweltbundesamt, Länderministerien und Windkraftverbänden weitgehend ignoriert oder relativiert. Stattdessen wird auf die fehlende Hörbarkeit verwiesen und auf den Nocebo-Effekt abgestellt. Die Charité-Forscher haben jedoch nicht subjektive Beschwerden gemessen, sondern objektive Veränderungen der Hirnkonnektivität mittels fMRI. Nennt sich übrigens Naturwissenschaft.

Die Studie ist klein (14 Probanden) und kurzfristig. Sie beweist keine langfristigen Gesundheitsschäden. Sie widerlegt jedoch die zentrale Prämisse der Entwarnungspolitik: dass nur hörbarer Schall physiologisch relevant sei. Wer weiterhin behauptet, Infraschall unter der Hörschwelle sei wirkungslos, ignoriert die neurophysiologischen Daten aus der Charité.

Die Autoren forderten weitere, insbesondere longitudinale Untersuchungen. Die treibt aber lieber Politik den massiven Ausbau von Windenergieanlagen voran und leugnet mit hanebüchenen Behauptungen den evidenten gesundheitlichen Schaden durch Infraschall.

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Dieser Beitrag erschien zuerst auf tkp.at — mit freundlicher Genehmigung von Dr. Peter F. Mayer.
Titelbild: 4lb / Pixabay

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