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Scholé-Nachrichten Februar 2019

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Liebe Scholé-Freunde, das Ringen um Bildungsfreiheit geht weiter. Es ist vor allem ein Ringen um Bewusstseinsveränderung.

Dies in erster Linie bei den Eltern. In den österreichischen Medien werden derzeit die mutigen Pionierinnen und Pioniere gefeiert, die vor 100 Jahren das aktive und passive Wahlrecht für Frauen errungen haben. Bis es aber endlich soweit war, mussten diese Frauen die geltenden Gesetze brechen, sich beschimpfen, verurteilen und einsperren lassen

Denn damals, im Jahr 1919, spiegelte die folgende Aussage eines renommierten Politikers noch die Auffassung der breiten Mehrheit wider: „Ihr natürlicher Mangel der wehrhaften Kraft, der Tiefe und Besonnenheit im Urteil, der Entschiedenheit im Wollen und der Ausdauer im Handeln … legt Protest gegen ihre völlige Gleichstellung … in der Familie wie im politischen Leben ein.“ Die Einschränkung des Selbstbestimmungsrechts der Frauen wurde mit deren natürlicher Unterlegenheit begründet und als notwendiger Schutz betrachtet: So sah das österreichische Gesetz bis 1974 vor, dass eine verheiratete Frau die ausdrückliche Erlaubnis ihres Ehemannes benötigte, wenn sie außer Haus arbeiten gehen wollte!

Heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, wird um das Selbstbestimmungsrecht der Kinder gerungen. Die Pionierinnen und Pioniere selbstbestimmter Bildung wagen es, Gesetze in Frage zu stellen, die doch zum Schutz des Kindeswohls erlassen wurden! Die Mehrheit der Bevölkerung findet das vollkommen verrückt: Nur die wenigsten Eltern würden ihren Kindern tatsächlich zutrauen, dass sie selbst entscheiden können, was ihnen gut tut. Der Rest der Bevölkerung ist überzeugt, dass Kinder von sich aus den ganzen Tag Süßigkeiten essen, vor dem Fernseher sitzen, am Smartphone zocken oder gefährlichen Unsinn treiben würden. Folglich müssen sie zu ihrem eigenen Besten in speziell dafür geschaffenen Einrichtungen gezwungen werden, etwas „Vernünftiges“ zu lernen.

Die Wahrheit ist, dass Kinder nicht das tun, was Erwachsene ihnen sagen, sondern immer das, was Erwachsene ihnen vorleben. Insofern ist die Sorge von Eltern durchaus berechtigt, solange sie selbst am liebsten Fastfood essen, von Smartphone oder Laptop nicht lassen können und nur arbeiten gehen, um Geld zu verdienen. Ihre Kinder werden diese Gewohnheiten übernehmen und zur Schule gehen, um Zeugnisse zu bekommen. Mit Kindern auf Augenhöhe zusammenleben und ihnen Vorbild sein, ist eine echte Herausforderung! Eine Lebensaufgabe, die ein hohes Maß an menschlicher Reife voraussetzt. Für die Kinder unreifer Eltern ist es deshalb ein großes Glück, wenn sie in der Schule guten LehrerInnen begegnen, die ihnen dank ihrer menschlichen Qualitäten manchmal zu lebenslangen Vorbildern werden.

Gestern war ich bei „Bildünger“, einem großen Kongress im Museumsquartier. Die Organisatoren – das Bildungsministerium und mehrere private Stiftungen – hatten als Zugpferd den charismatischen indischen Bildungspionier SUGATA MITRA eingeladen, ließen ihn aber leider erst am Ende der Veranstaltung zu Wort kommen. Er erzählte von seinem berühmten Experiment in einem Slumviertel von Kalkutta, wo er 1999 einen Computer in für Kinder gut erreichbarer Höhe in eine Mauer einbaute, um zu beobachten, was sie mit dem unbekannten Gerät wohl anfangen würden.

Schon nach wenigen Wochen hatten sich die Kinder mit vereinten Kräften die nötigen sprachlichen und technischen Fertigkeiten angeeignet, um den Computer genauso geschickt zu nutzen wie die Kinder der Reichen. Obwohl ihnen niemand Lesen, Schreiben und Englisch beigebracht hatte und auch kein Erwachsener in der Nähe war, um ihre Fragen zu beantworten! Dieses Experiment hat Sugata Mitra viele Male wiederholt. Es funktionierte in indischen Bergdörfern genauso gut wie in London, vorausgesetzt die Kinder bildeten eine überschaubare Gruppe und durften ihren Forschergeist ungehindert ausleben. Dort wie da ließen sich die Ergebnisse ihrer selbstständigen Recherchearbeit aber merklich steigern, wenn irgendein erwachsener Beobachter – eine freundliche Oma zum Beispiel – daran herzlich Anteil nahm und den Kindern ab und zu anregende Fragen stellte.

School in the Cloud nennt Sugata Mitra sein revolutionäres Selbstbildungsmodell, das derzeit an drei Orten zugleich – in Goa, Washington und Barcelona – verwirklicht werden soll. Die im Muqa versammelten BildungsreformerInnen applaudierten dem Festredner lautstark, doch als der humorvolle Inder schmunzelnd fragte, wer von den Anwesenden sich vorstellen könnte, seine Kinder auf diese Weise lernen zu lassen, erhoben sich nur sehr wenige Hände in dem großen Saal…

Den meisten von uns sitzt immer noch das über viele Jahrhunderte geschürte Vorurteil im Nacken, Kinder wären von Natur aus dumm, faul und / oder boshaft, wie uns das der „Struwwelpeter“ oder „Max und Moritz“ doch deutlich vor Augen führen. Und obwohl diese Klassiker der Kinderliteratur längst durch „Pippi Langstrumpf“, „Pu, der Bär“ oder „Das kleine Ich bin Ich“ ersetzt wurden, wirken sie leider im kollektiven Unbewussten und damit auch in unserer Pädagogik bis heute nach. Das klassische, auf diesem längst veralteten Menschenbild beruhende Schulwesen, gerät immer mehr ins Schleudern, was der Grund für Kongresse wie „Bildünger“ ist. Trotzdem gibt es nach wie vor keine staatliche Förderung für Bildungspioniere, die an die Selbstbildungskraft der Kinder glauben und sich bemühen, ihnen Freiräume zur Entfaltung ihrer individuellen Potenziale zur Verfügung zu stellen.

Der MARKHOF ist eines dieser zukunftsweisenden Projekte:
Wer sich für Lernen und Arbeiten in Gemeinschaft interessiert, kann in den vielen schönen Räumen im 3. Bezirk (Markhofgasse 19) Erfahrungen sammeln oder selbst seinen Beitrag zu einer anderen Form des Zusammenlebens leisten. Der MARKHOF empfängt interessierte Besucher und sucht engagierte MitarbeiterInnen, die Zeit und Lust haben, nach oder neben ihrem Brotberuf mit Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern neue Lebensformen zu erproben und spannende Projekte zu entwickeln. Es gibt dort viele verschiedene Dinge zu tun: Bitte meldet euch, wenn ihr Interesse habt!

Im MARKHOF wird am 25. März um 18 Uhr auch unser nächstes Treffen zur BILDUNGSFREIHEIT stattfinden.
Da wir beim letzen Mal so positive Rückmeldungen erhalten haben, möchten wir nach dem wechselseitigen Informationsaustausch wieder eine Aufstellung machen. Es gibt viel Neues zu berichten!

Wir freuen uns auf regen Besuch!
Alexandra und Melanie

Buchtipp – “Lernen ist wie Atmen”


Gemeinsam mit zwei Freilernermüttern, Gudrun Totschnig und Sigrid Haubenberger, haben wir es im Selbstverlag herausgegeben.

Wir alle haben das Gefühl, dass die Zeit reif ist für diese vielstimmige Darstellung, wie Freilernen in der Praxis gelebt werden kann. Lass Dich durch die Leseprobe inspirieren oder bestelle am GAIA Marktplatz Dein eigenes Exemplar mit 10% Preisvorteil für Mitglieder.

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