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Scholé-Nachrichten Dezember 2018

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Liebe Scholé-Freunde, Im Rückblick auf 2018 habe ich den Eindruck, dass in diesem Jahr viele neue Ideen und Initiativen auf den Prüfstand gestellt wurden.

Im Rückblick auf 2018 habe ich den Eindruck, dass in diesem Jahr viele neue Ideen und Initiativen auf den Prüfstand gestellt wurden – da waren und sind offenbar noch Reste alten Denkens und gewohnter Reflexe zu überwinden, um einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel den Weg zu ebnen. Keine leichte Aufgabe!

Im Jänner habe ich versucht, den Wiener SSR zur Einrichtung einer Wertschätzungskommission zu überreden – für Freilerner, Schulabbrecher und Schulverweigerer. Zum Beweis für die Ernsthaftigkeit unseres Vorschlags begleitete mich Prof. Karl Garnitschnig, ein hoch angesehener emeritierter Erziehungswissenschaftler. Wenige Wochen vorher hatte sich SSR-Präsident Himmer im persönlichen Gespräch noch sehr freundlich und aufgeschlossen gezeigt. Doch unsere Verhandlungen mit einem Vertreter der Rechtsabteilung und der Leiterin des Instituts für Begabungsförderung scheiterten am völligen Unverständnis der beiden Beamten. Nach fast zwei Stunden gaben wir auf, weil wir erkannten, dass die beiden nicht bereit waren, auch nur einen Millimeter von ihren gewohnten Vorgaben abzuweichen.

Wie schön wäre es gewesen, in Kooperation mit den Behörden eine Lösung für Freilerner und Schulabbrecher zu finden, die den Kindern alle Prüfungsängste erspart und der Kommission vor Augen geführt hätte, welch bunte Vielfalt an Früchten informelles Lernen ohne Druck und Zwang hervorbringen kann! Doch die Behörden wollten nichts wissen von unserer schönen Idee, sich diese Früchte präsentieren zu lassen und ihnen in wertschätzender Weise offizielle Anerkennung zu zollen… Was haben wir falsch gemacht? Was haben wir zu wenig bedacht? Wie könnten wir es besser machen? Diese Fragen haben mich monatelang beschäftigt.

Inzwischen habe ich erkannt, dass es unsinnig ist, eine Lösung „von oben“ zu erwarten. Die Bildungsbehörden sind mit Schulproblemen so ausgelastet, dass sie sich außerschulische Bildung nicht einmal vorstellen können – und wollen. Sie reagieren darauf genauso abwehrend wie die orthodoxen Vertreter der Schulmedizin auf die Erfolge der Naturheilkunde, die sich aus ihrer Sicht nicht beweisen lassen. Nun kommt es immer darauf an, was man als Beweis gelten lässt: das subjektive Gefühl der Patienten, geheilt worden zu sein, oder objektive statistische Zahlen über messbare Parameter! Tatsächlich sind die Erfolge von Homöopathen oder Naturheilern nicht 1:1 mit „evidenzbasierten“ schulmedizinischen Erfolgsstatistiken vergleichbar, weil die Naturheilkunde ja keine objektiv definierten Krankheitssymptome bekämpft, sondern auf verschiedensten, individuellen Wegen die Selbstheilungskräfte des einzelnen Kranken zu stärken versucht. Überdies geht sie von einem völlig anderen Menschenbild aus: Neben den körperlichen Symptomen werden immer auch seelische und geistige Aspekte mit einbezogen, die statistisch überhaupt nicht erfassbar sind.

Analog dazu könnte man sagen, dass die Schule mittels ausgeklügelter Lehrpläne und Unterrichtsmethoden „Unwissenheit“ bekämpft, während die Anhänger selbstbestimmten Lernens auf das angeborene individuelle Potenzial jedes Kindes vertrauen und dessen natürlichen Entfaltungsprozess nur behutsam unterstützen. Noten und Schulzeugnisse beurteilen nichts anderes als die Anpassungsfähigkeit eines Kindes an vorgegebene Anforderungen. Die freie Entfaltung verborgener Anlagen entzieht sich hingegen prinzipiell einer „objektiven“ Beurteilung, denn jedes Freilernerkind findet in seinem Tempo seinen ganz eigenen Zugang zum Weltwissen. Wer die menschlichen, sozialen und intellektuellen Entwicklungsschritte frei lernender Kinder beobachtet, kann darüber staunen, sich daran erfreuen und sich davon inspirieren lassen – vergleichen und objektiv bewerten lassen sie sich jedoch nicht, weil sie eben nicht objektivierbar sind! Der sanftmütige Gehirnphysiologe Gerald Hüther, der mit seinen Büchern und Vorträgen Hunderttausende begeistert, kommt zu einer sehr radikalen Diagnose: Ein Mensch, der zum OBJEKT (der Erziehung, der Betreuung, ökonomischer und sonstiger Zwänge) gemacht wird, verliert seine Menschenwürde und geht daran kaputt!

Auf dem Gebiet der Medizin mehren sich die Anzeichen für eine allmähliche Annäherung zwischen den beiden Welten, die „sanfte Medizin“ findet immer mehr AnhängerInnen in der Ärzteschaft. Vielleicht gelingt uns auf dem Gebiet der Bildung ja auch ein Brückenschlag? Kürzlich haben einige Freilernereltern beschlossen, Tag für Tag genau aufzuzeichnen, womit sich ihre Kinder gerade beschäftigen. Diese Dokumentation wollen sie dann an eine engagierte Lehrerin weiterleiten, die versuchen wird, sie in die Sprache des Rahmenlehrplans zu „übersetzen“. Wir werden sehen, ob wir auf diesem Weg von unten weiterkommen…

Meine lieben Kollegen und Kolleginnen aus dem Verein „jedes Kind“ bauen von der anderen Seite her an dieser Brücke: Jahresthema war heuer die von Ingrid Teufel schon während ihrer aktiven Zeit als Volksschullehrerin entwickelte „Stärkenschatzsuche“. Man findet sie auf der Homepage des Vereins (www.jedeskind.org). Einer von Ingrids ehemaligen Schülern hat inzwischen sogar eine eigene App entwickelt, damit Lehrerinnen und Lehrer über ihr Smartphone noch einfacher darauf zugreifen können. Erst vor wenigen Tagen hat der Landesschulrat von Salzburg entschieden, die Stärkenschatzsuche an allen Salzburger Schulen einzuführen: Statt hauptsächlich auf deren Fehler zu achten, werden LehrerInnen dadurch ermutigt, die verborgenen Stärken ihrer Schülerinnen und Schüler zu entdecken – und sich dabei auch ihrer eigene Stärken bewusst zu werden.

Natürlich gibt es Gegenkräfte, die den Brückenbau zu verhindern versuchen. An der medizinischen Fakultät der Universität Wien wurde die einzige Homöopathievorlesung heuer mitten im Wintersemester eingestellt, und ausgerechnet die grüne Patientenanwältin Sigrid Pilz machte sich dafür stark, auch noch ein Verkaufsverbot homöopathischer Mittel in den Apotheken zu fordern! Eine perfekte Parallele im Bildungswesen lieferte die Salzburger Kinder- und Jugendanwältin, indem sie forderte, Österreich solle nach dem Beispiel Deutschlands den häuslichen Unterricht ganz abschaffen bzw. auf wenige medizinisch begründete Fälle beschränken. Was sie nicht dazu sagte: Diese Regelung hatten wir schon einmal – in der Zeit zwischen 1938 und 1945, als Österreich Ostmark hieß und Teil des Dritten Reiches war…

Konstruktiv betrachtet könnten derartige Rückschläge aber vielleicht auch Positives bewirken, wer weiß? Themen wie die eben erwähnten Anträge oder die Wiedereinführung von Klassenwiederholungen und Zensuren (in Österreich euphemistisch Noten genannt :-)) schon für Siebenjährige werden die öffentliche Bildungsdebatte hoffentlich verstärken und vertiefen. Dann werden vielleicht mehr Menschen zwischen Wohlfahrtsstaat und obrigkeitlicher Bevormundung zu unterscheiden lernen und ihr Recht auf Selbstbestimmung einfordern.

Ich denke, was unsere Demokratie derzeit lähmt, sind Erwachsene, die während ihrer Schulzeit so klein gemacht wurden, dass sie sich nicht mehr spüren können und sich selbst nichts mehr zutrauen. Da sie von klein auf daran gewöhnt wurden, in allen Lebenslagen von Experten abhängig zu sein, können sie sich, wenn sie Eltern geworden sind, gar nicht mehr vorstellen, die Verantwortung für ihre Kinder selbst zu übernehmen! Dankbar übergeben sie schon Ein- oder Zweijährige an KleinkindpädagogInnen, LogopädInnen, ErgotherapeutInnen usw. zur fachkundigen Betreuung und „Optimierung“. Von der Politik fordern sie immer mehr Frühförderung und lassen sich von Experten einreden, das alles sei zum Besten ihrer Kinder und diene außerdem noch der Selbstverwirklichung moderner Mütter und Väter… Dass sie in Wahrheit im Hamsterrad mitlaufen und bereitwillig dafür sorgen, dass sich die nächste Generation einmal ebenso systemkonform verhalten wird wie sie selbst, merken die meisten Eltern leider frühestens dann, wenn ein Kind, das sich seiner Größe und Würde noch bewusst ist, aus dem Hamsterrad herausspringt und sein Menschenrecht auf Selbstbestimmung entschieden einfordert…!

Die Legalisierung des Freilernens halte ich deshalb für den entscheidenden ersten Schritt, um eine Wende in Richtung BILDUNGSFREIHEIT herbeizuführen und so die Demokratisierung unserer Gesellschaft von ihrer Basis her zu ermöglichen. Die wenigen Erwachsenen, die schon heute bereit sind, ihren Kindern Selbstverantwortung vorzuleben, sind die Pionierinnen und Pioniere einer Generation, die bereit und fähig sein wird, die Verantwortung für den Erhalt unseres Planeten in die eigenen Hände zu nehmen! Der weltweit gehörte Protest einer fünfzehnjährigen schwedischen Klima-Aktivistin hat mit dem Aufruf zu einem Schulstreik begonnen :-)) Schaut euch das dreiminütige Video ihres Auftritts bei der Weltklimakonferenz an, falls ihr es noch nicht kennt: https://www.youtube.com/watch?v=VFkQSGyeCWg

In diesem Sinne wünsche ich euch von Herzen ein frohes Fest der Wiederkehr des Lichts!
Alexandra

Buchtipp – “Lernen ist wie Atmen”


Gemeinsam mit zwei Freilernermüttern, Gudrun Totschnig und Sigrid Haubenberger, haben wir es im Selbstverlag herausgegeben.

Wir alle haben das Gefühl, dass die Zeit reif ist für diese vielstimmige Darstellung, wie Freilernen in der Praxis gelebt werden kann. Lass Dich durch die Leseprobe inspirieren oder bestelle am GAIA Marktplatz Dein eigenes Exemplar mit 10% Preisvorteil für Mitglieder.

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